Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793
58 Just. auch die rechtschaffensten Manner meist nur Gefahr, Kummer und Sorgen und wenig Vorteil zu hoffen. Ich meine, daß die Anstellung bei der deutschen Garde für Dich mehr passend als alle Spitalskommanden seien, denn diese sind ein gefährlich verrechnender Dienst, wo man des guten Ausganges nicht gesichert ist. Wir haben hier keinen Waffenstillstand, aber der gefallene große Schnee deckt unsere Grenzen wider alle Gefahr. Meine beiden Söhne empfehlen sich Dir. Der kleinere von Orosz besucht mich fleißig und hat vor wenigen Wochen ein Pferd zu Tod gejagt. Nun lasse ich ihn zappeln, damit er das Geld schätzen lerne. Trachte Deine Sachen zu beschleunigen, worüber baldig günstige Nachrichten erwarte, Dich herzlich embrassiere etc. und bin Dein aufrichtiger Bruder Paul Kray, Obrist. Orlath, 23. Jänner 1789. Liebwerteste Frau Schwester! Aas Ihrer beliebigen letzten Zuschrift entnehme die traurigen Umstände der armen Schwester Mazur, welche mir freilich nahegehen, aber nicht so leicht zu ändern sind. Ich tat bis nun alles, was meine Umstände zuließen, aber stets fruchtlos. Wir müssen denken, daß jede Familie entweder unglückliche oder ungeratene Glieder aufzuweisen habe, deren Schicksal man oft selbst mit Aufopferung des Seinigen nicht zu verbessern imstande ist. Ungeachtet meiner eigenen heurigen beträchtlichen Airsgaben belieben ihr von meinem dasigen Geldvorrat 50 fl. zu einer Aushilfe auszuzahlen, um meine Liebe und Mitleid der armen Schwester zu bezeigen. Mein lieber Bruder hat mir seinen Entschluß und Anliegen eröffnet, worauf ich ihm auch meinen freiherzigen brüderlichen Rat mit Zusendung von drei Briefen erteilte. Vielleicht erhaltet er eine gute, ruhige Versorgung, die man jetzt einem jeden beneidigen kann, denn alle unseren dermaligen Dienste, man mag so hoch steigen als man will, .sind bedenklich und gefährlich. Ich embrassiere Sie etc. Paul Kray.