Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793
56 J U S t. Sobald man mir aber das Kommando nahm, achtete der Hochmut des Generals gar nicht auf meinen Rat. So ist er in Verlegenheit und das hiesige Land ins größte Unglück geraten. Bei 37 Dörfer sind ganz abgebrannt und viele arme Grenzer und Inwohner in die Sklaverei fortgeschleppt worden. In drei oder vier Tagen marschiere ich nebst dem Stab nach Orlath. Ich marodiere noch stets und kann mich gar nicht erholen. Wer weiß, ob mir diese harte Kampagne nicht auch ein Geleck auf dem Hals lasset. Vielleicht ändert die Orlather Luft meine Lage. Der Tonerl ist schon seit einigen Monaten Oberleutnant. Er war heuer in mehreren großen Gefahren und Herr FML. Baron Raal lobt mir ihn, daß er sich wohl betragen habe. Auch der E’ranzel hat sich mit seinem Zug brav gegen den feindlichen Anfall gehalten und den Feind zurückgewiesen. Ich habe beide zu mir nach Orlath bestellt, um sie einige Tage bei mir zu haben. Da wird es heißen: „Papa, ich brauch’ dieses und jenes”, so ich aber ganz gerne geben will, wann sie sich nur fortan wohl betragen. Meinen armen Hanserl, dessen Fleiß man mir auch lobet, möcht ich noch versorgt wissen, alsdann will ich gern meine Rolle ausgespielt haben; doch auch diesfalls geschehe, was Gott will. Ich embrassiere Dich zärtlich und bin mit wahrer Liebe und Freundschaft Dein aufrichtigster Bruder Paul Kray, Obrist. Ende November ließ FML. Graf Fabris seine Truppen Winterquartiere beziehen und Kray kehrte nach Orlath zurück. Orlath, 1. Dezember 1788. Liebster Bruder! Ich kann gar nicht begreifen, wie drei meiner Briefe an Dich haben verloren gehen können. Im letzten bat ich Dich inständig, mich anhero besuchen zu kommen und fast in jedem habe ich Dir meinen brüderlichen Rat erteilt. Jetzt warte ich nur, ob Dir mein letzter Rat