Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793

Briefe des FZM. Paul Freiherrn Kray de Krajova. 53 hielt ich erst gestern in Hátszeg, wo ich seit acht Tagen nach unserer Retirade aus der Walachei mich krank, aber gottlob auch schon besser befinde. Fünf Monate habe ich mich allein mit einem geringen corpetto in Feindesland erhalten. Als mir vorigen Monat ein General1) zum Soutien mit Verstärkung nachrückte, folglich von mir das Kommando übernahm, so fand er es gar bald convenable, sich zurück über unsere Grenzen zu ziehen, welches wir den 11. hujus nachts unbemerkt vom Feinde glück­lich befolgten und uns bis auf den Vulkaner Kontumaz zogen. Den 13. mußte ich mich krankheitshalber zurück anhero transportieren lassen; den 15. kamen die Türken unter Ibra­him Pascha uns nach, attackierten unsere Vorposten, wobei wir bis 100 Mann von Allvintzy und Orosz, nebst dem Haupt­mann Katiny, Leutnant GrafPizelier und von Orosz-Infanterie Hauptmann Mac Dermott verloren, bei welcher Gelegenheit auch ein kleines Magazin und das Kontumazhaus verbrannt, aber zum Glück der Feind zurückgetrieben wurde. Nun, da wir etwas besser uns zurückgezogen, so dürfte der Feind schwerlich einen neuen Angriff wagen. Gott gebe ein glück­liches Ende dieses heurigen Feldzuges. Ich bin auch um meinen älteren Sohn Anton sehr be­kümmert, weilen auf dem Bodzaer Paß auch ein Angriff war, wo wir mehrere Offiziere verloren und wobei mein Sohn anwesend war. Der mittlere Sohn, Fähnrich bei Orosz, ist bei Hermannstadt und gesund. Dem jungen Mazur habe ich zu einer Fähnrichstelle verholfen. Hiermit embrassiere ich Sie, verehrteste Frau Schwester, nebst lieben Angehörigen herzlich und bin unter Empfehlung an die Frau Schwester Mazur und übrigen Freunde ohne Ausnahme mit aller Freundschaft und Hochschätzung lieb­wertester Frau Schwester aufrichtigster Freund und Diener Paul Kray, Obrist. Mühlbach, den 9. Oktober 1788. Liebster Bruder! Seit zwei Monaten als nach der Re- traite von Porceni bin ich stets durch ein heftiges Fieber, *) *) GM. Pfefferkorn.

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