Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793

54 Just. und zwar dergestalt geplagt gewesen, daß ich am 13. August mich zurück gegen Hátszeg transportieren lassen und bis nun marodieren mußte. Ich bin darüber untröstlich, weilen seithero manch widriges sich mit meinem cor petto, welches den 20. Juli der General Br. Pfeffer kor n zu kom­mandieren übernahm, zugetragen hat. Vielleicht hat das hiesige Generalkommando diesen Schritt schon oft bedauert, da es seit meinem in der feind­lichen Walachei geführten fünfmonatlichen Kommando alle Beruhigung, meine Truppe keinen Affront, ja vielmehr Ruhm, Ehre und Vorteile hatte, das arme Siebenbürgen endlich kein Unglück bedroht, noch weniger getroffen hätte. So geht es überall und zu jeder Zeit, wo Neid und Intrigen herrschen. Was sich den 15. August auf dem Vulkaner Kontumaz zugetragen, wo beinahe zwei Kompagnien, eine von Orosz, eine von Allvintzy nebst Verlust ihrer beiden Hauptleute und ein Offizier und eine Kanone verloren gegangen; was verheert wurde, wird Dir ohnehin schon durch die öffentliche Zeitung bekannt geworden sein. Die Folgen hievon aber werden immer bedenklicher, weilen der Feind dadurch den Weg nach Siebenbürgen gefunden und nunmehro schon den größten Teil des Hátszeger Tals verwüstet und einige meiner Grenzer­kompagnien zu Bettlers gemacht hat. Der General Br. Pfeffer­korn erkrankte gleich darauf, übergab den nämlichen Tag (15. August) das Kommando dem eben mit drei Bataillons und einem Kürassierregiment ausgerückten General Staader und begab sich nach Mediasch, zwölf Meilen weit zurück. Den 21. September, als der Zeit, wo sich General Wartens­ieben gegen Lugos zurückziehen mußte, hat sich auch unser hiesiges Korps der Maros genähert, aber sich gleich am 26. September zurück bis Hátszeg gezogen, wo es zwar noch in einem verschanzten Karree steht, aber nicht hindern kann, daß der Feind in diesem schönen Tal große Verheerungen anstelle. Gott gebe uns bald Schnee, wodurch allein den feind­lichen Einbrüchen Einhalt getan werden könnte. Gott gebe Glück und Segen unserem unermüdeten Kaiser, damit dessen väterliche und rastlose Bemühungen zum Besten der Armee und des Vaterlandes gedeihen möchten. Wir finden

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