Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793

52 Just. Womit ich Sie nebst den beiden Kleinen herzlich embrassiere und mit wahrer Freundschaft beharre liebwertester Frau Schwester aufrichtigster Freund Paul von Kray, Obrist. Orlath, 20. Jänner 1788. Besonders liebwerteste Frau Schwester! Daß Sie sich über die Entfernung meines Bruders grämen, dazu sind Sie berechtigt; daß Sie aber auf eine Gleichgültigkeit rechnen, das mißbillige ich sehr, weilen Sie sich dadurch ungegründet und unnötig beunruhigen. Ich bin noch immer in meinem Regimentsnumero dis­loziert, aber bereits mit allen Kriegsnotwendigkeiten ver­sehen. Wir und unsere Herren Nachbars sind ganz ruhig, weilen der große Schnee zwischen uns eine unübersteigliche Grenzmauer gesetzt hat, welche erst mit Ende Mai gehoben und uns den Zugang gegeneinander gestattet. Bis dahin wird vielleicht Frieden oder wir dürfen der großen Armee nur gerade bis Konstantinopel folgen. Der Hanserl ist zu seiner größten Zufriedenheit in Wien und führt sich nach allen Nachrichten brav und fleißig auf. Mein zweiter Sohn Franz aus der Neustädter Akademie tritt vielleicht noch diesen Monat als Fahnenkadett zu Orosz (I.R. Nr. 31) aus, welches Regiment nur eine Stunde hier von mir bequartiert liegt, wodurch ich also das Vergnügen erlange, ihn hierlandes bei mir zu haben. Vielleicht kann ich ihm so­dann zu was Besserem verhelfen. Kleine Kinder, kleine Sorgen; große Kinder bringen größere, welches ich nun empfinde. Den Tonerl mußte ich auch in Feldequipage setzen. Den jungen Mazur habe ich wieder zum Regiment genommen und zum Feldwebel avanciert. Ich embrassiere Sie, liebwerteste Frau Schwester, nebst beiden Kleinen zärtlich und bin mit Freundschaft und Hoch­schätzung Dero aufrichtigster Freund und Diener Paul von Kray. Hátszeg, 21. August 1788. Wohlgeboren, sonders schätzbarste und liebwerteste Frau Schwester! Ihr Schreiben vom 21. vorigen Monats er­

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