Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793
50 Just. Die politische Weltlage hatte sich 1787 sehr bedrohlich gestaltet, die Wehrkraft Österreichs sollte bald einer neuen Kraftprobe gewärtig sein. Der Friede von Kutschuk Kainardschi (16. Juli 1774) hatte dem Kampfe zwischen Rußland und der Pforte nur vorübergehend ein Ziel gesetzt. Der drohende Verlust von Georgien, die Gefahren, welche das Aufblühen der russischen Seemacht auf dem Schwarzen Meer mit sich brachte, schienen Sultan Abdul Hamid zwingend genug, eine Entscheidung herbeiführen zu sollen. Als der russische Gesandte Bulgakow in einem feierlichen Divan keine beruhigenden Zusicherungen geben konnte, erließ die Pforte am 24. Augitst 1787 ihr Kriegsmanifest gegen Rußland. Kaiser Josef II. hielt sich verpflichtet, der Zarin die vollste Unterstützung in dem bevorstehenden Kampfe zuzusagen. Am 10. September 1787 erging der Befehl zur Mobilisierung der Feldtruppen (die Kriegserklärung erst am 9. Februar 1788), welche durch einen Kordon von der Adria bis zum Dnjester die weiten Grenzen des Reiches decken sollten. Zum Schutze Siebenbürgens ward FML. Graf Fabris mit dem 5. Armeekorps (16 Bataillone Infanterie, 15 Divisionen Kavallerie, 17.878 Mann und 4701 Reiter) bestimmt, der im Februar 1788 die Gebirgspässe mit je 1 Division Infanterie und 1 Zug- Husaren nebst zwei Geschützen besetzen und mit dem Eintritt besserer Witterung die Vorstöße gegen die Moldau und Walachei beginnen ließ. Kray erhielt das Kommando über ein eigenes Truppenkorps1), mit welchem er in das Hátszeger Tal, an den Vulkanpaß, bald aber über diesen hinausrückte und bei Porceni Stellung nahm. Hier wurde er am 10. Mai von über*) Dasselbe bestand (K. A., F. A. 1788, Armeekorps in Siebenbürgen, XIII, 14) aus: 1 Bataillon des 1. walachischen Grenzregiments (Oberstbataillon), 1 Eskadron Székler-Husaren, 1 Division Leopold Toscana-Husaren, Volontärs, 1 sechspfundigen Kanone, 4 dreipfündigen Kanonen. Krays Berichte an den FML. Graf Fabris erliegen in den F. A. 1788, Armeekorps in Siebenbürgen, III, 4, 7, 16; IV, 2; V, 2; VI, 5; VH, 5a; VIII, lc, 8a; IX, 10; XI, 2, 16; XIII, 7, 10, 15 (Operationsjournale).