Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793

40 Just. dankte mich für mein Avancement, worauf er mich in das Kabinett rufte und sagte: „Ich bin mit Ihrem Betragen während dem Tumult vollkommen zufrieden, Sie haben alle Ihre Sachen sehr gut gemacht.” Ich erwiderte, daß es mir sehr leid sei, daß ich meinen Diensteifer gegen eigenes Land­volk verwenden mußte, worauf Se. Majestät sagten: „Ich bin schon informiert, daß es ohne Schärfe und die gebrauchten Zwangsmittel nicht zu Ende gegangen wäre.” Hierauf mußte ich Sr. Majestät der Tumultuanten Position, ihre Stärke und endlich die Attacke erklären, worauf er nochmal wiederholte, daß alles recht gut angeordnet gewesen war, und mich mit gnädigen Ausdrücken entließ. . Das zweite Mal mußte ich ihm aus dem Lager meine Station Orlath zeigen und verschiedene Fragen wegen großer Zerstreuung meines Regiments beantworten, wozu er den General Browne mitanzuhören herbeirufte. Se. Majestät waren mit unendlich viel Memorialien und Audienzen geplagt und schienen deswegen meistens in üblem Humor gewesen zu sein. Natürlich gefallen dem hiesigen Land die neuen Einrichtungen nicht. Viele Klagen über die Tumultuantenbeschädigungen und daß die Untertanen nichts arbeiten wollen, wurden dringend vorgebracht und gegenteilig kamen unendlich viele Walachen schriftlich ein, sie von der Kontribution und allen Roboten loszuzählen. Aller dieser Mischmasch setzte Se. Majestät in üble Laune. Ich fragte den General Browne wegen unserer Systemisierung, welcher mir sagte, daß für die Siebenbürger Grenzer noch nichts Ver­läßliches entschieden worden, sondern daß man darüber erst das Generalkommando und das Gubernium vernehmen werde. Alles dieses setzet uns in großen Embarras. Der arme Hanserl war über Deinen Abmarsch sehr be­trübt und mir ist es jetzt viel banger, ihn unter lauter frem­den Leuten zu wissen. Hier in Siebenbürgen sind alle Kon­vikte aufgehoben und auch sonst die Schulen so elend, daß ich kein Mittel voraussehe, ihn anher kommen zu lassen. Schreibe mir fleißig, wie Eure Exerzierkontraktion und das Lager von Pest ablaufen wird. Hierlandes wird eifrig mit der Landesausmessung vorgeschritten, nur scheint mir, daß es an hinlänglich und tüchtigen Individuen fehle. Der

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