Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793

Briefe des FZM. Paul Freilierrn Kray de Krajova. 41 Tonerl ist auch dabei und stellet einen der besseren Geometer vor. Du kannst also auf die übrigen Subjekte urteilen, welche kaum wissen, was eine gerade Linie heißt. Heuer war es mir nicht leid, daß man mein Regiment nicht kampieren ließ, aber künftiges Jahr getraue ich mich damit zwischen die hiesigen Feldregimenter zu stellen. Ich embrassiere Dich nebst Frau Schwester herzlichst und bin ganz unverändert Dein aufrichtigster Bruder Paul Kray, Obrist. Orlath, 12. August 1786. Liebster Bruder! Wann Du bei Deiner Zurückkunft aus dem Lager eine gute und bequemliche Unterbringung zu Erlau für den Hanserl finden solltest, so wäre es mir lieb, wenn er unter Deinen Augen sein könnte. Wo aber nicht, so muß er noch dieses künftige Jahr zu Szeben bleiben, wonach selben ohnehin nach Wien in die Ingenieurakademie abzuführen willens bin, um allda in fremden Sprachen und anderen adeligen Übungen gleiche Erziehung wie seine Brüder zu bekommen. Nur bin ich noch nicht entschlossen, ob ich ihn unter die Zöglinge der 200 oder 400 fl. Zahlenden geben soll. Meinerseits inkliniere für letztere, damit er seinen älteren zwei Brüdern gleich gut gehalten werde. Von den Türken haben wir nichts mehr zu besorgen, aber der neue walachische Fürst1) macht allerhand neue Einrichtungen, welche unserem Wirtschaftssysteme und auch dem hierländischen Handel und Inwohnern sehr nachteilig werden können. Seine Reformen beziehen sich sogar bis auf die Geistlichkeit, welche er in strengster Zucht haltet. Er ist ganz uneigennützig, folglich auch sehr streng gegen den Adel und laßt den Untertanen viel Freiheit, welches unseren wan­kelmütigen walachischen Pöbel bald hinüber locken wird. Seine Seit 1716 hatte die Walachei den letzten Schimmer ihrer Unab­hängigkeit eingebüßt. Die Pforte ernannte zum Fürsten fortab den Meistbietenden aus den griechischen, nach ihrem Quartier zu Kon­stantinopel genannten „Fanarioten”-Familien. Ihre Herrschaft schädigte das Land sittlich und materiell durch mehr als hundert Jahre, bis mit Gregor Ghika 1822 wieder ein Inländer zum Hospodar ernannt wurde.

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