Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Major Czeike: Die Cernierung und Erstürmung Wiens im Oktober 1848
330 C z e i k e. die Bäume des Praters, vor und wurde sogleich von einem mörderischen Gewehr- und Kartätschfeuer aus den zwei Sechspfündern der jenseitigen Barrikade empfangen. Zwei Geschütze der sechspfündigen Batterie Nr. 5 unter Kommando des' Kadetten Gerlich1) fuhren nun ungefähr 300 Schritte von der Brücke auf; ihnen folgten bald darauf die übrigen vier Geschütze der Batterie unter ihrem Kommandanten Oberleutnant Eggenberger2). Das Feuer dieser Batterie richtete sich hauptsächlich gegen die jenseitige starke Barrikade sowie ein angrenzendes, vier Stockwerke hohes Haus, welches von den Insurgenten besetzt war. Nach kurzer Zeit gelang es, die hinter der Barrikade befindlichen zwei feindlichen Geschütze zum Schweigen zu bringen. Nachdem auf diese Weise der Infanterieangriff vorbereitet worden war, stürmte das Bataillon Szluiner im heftigsten Kugelregen über die Brücke gegen die Barrikade vor, konnte sie aber trotz aller Anstrengungen nicht nehmen und mußte sich, nachdem es über eine Stunde dem feindlichen Kreuzfeuer standgehalten hatte, wieder an den diesseitigen Brückenrand zurückziehen, welchen das Bataillon nun behauptete 3). ’) Dieser Kadett zeichnete sich durch hervorragende Tapferkeit und große Kaltblütigkeit aus. Schon beim Abprotzen seiner beiden Geschütze riß eine sechspfündige Kanonenkugel zwei Bespannungspferde nieder, deren Kadaver sich derart in die Stränge verwickelten, daß die Geschütze im wirksamsten feindlichen Feuer in die größte Gefahr gerieten. Bald darauf streifte ihn eine ßpfündige Kanonenkugel am Bücken, durchdrang seinen Mantel und Rock, zerschmetterte den rückwärtigen Teil des Sattels und riß den darauf befindlichen Mantelsack in Fetzen. Trotzdem verlor er keinen Augenblick seine Geistesgegenwart und leistete während des Gefechtes die tätigsten Dienste. (Neue Militärzeitung 1870, Nr. 46 und 49.) Kadett Rudolf Gerlich des Bombardierkorps erhielt für sein tapferes Verhalten am 26. und 28. Oktober die goldene Tapferkeitsmedaille. (K. A., Belohnungsanträge 1848, 2, 4, 9.) 2) Oberleutnant Karl Eggenberger, Artillerieoffizier beim Grenzinfanterieregiment Nr. 1, erhielt den Orden der Eisernen Krone 3. Klasse. (K. A., Belohnungsanträge 1848, 1, 2.) 3) Bei diesem Rückzug wurde eine kleine Abteilung der Grenzer unter Kommando des Oberleutnants Pavich, welche sich unter der Brücke postiert hatte, um den Insurgenten in die Flanke zu fallen, abgeschnitten und durchschwamm den Dcnaukanal, um an das andere Ufer zu gelangen. Hiebei ertranken mehrere Leute und der bereits