Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Major Czeike: Die Cernierung und Erstürmung Wiens im Oktober 1848

Cernierung und Erstürmung Wiens 1818. 331 Die Insurgenten unterhielten aus der Barrikade, den nächstgelegenen Häusern und dem Rasumo wskygar ten 1), ein lebhaftes Feuer gegen die Batterie und das Bataillon Szluiner, das nun wegen eingetretenen Munitionsmangels um Vs4 Uhr nachmittags vom 3. Bataillon des 2. Banal-Grenzinfanterie- regiments abgelöst wurde. An Stelle der Batteriedes Oberleutnants Eggenberger, deren Geschützrohre durch den achtstündigen unausgesetzten Kampf heiß und kaum mehr zu bedienen waren und von welcher der größte Teil der Mannschaft schwerhörig geworden war, trat gegen 5 Uhr nachmittags die sechspfündige Fußbatterie Nr. 8 des Oberleutnants v. Thim2). Das Bataillon Szluiner hatte an diesem Tage einen Verlust von 17 Toten, darunter 1 Offizier3), 32 Verwundeten untersinkende Oberleutnant Pavich wurde nur durch die Aufopferung des Gemeinen Manze vom Ertrinkungstod gerettet. (K. A., F. A. 1848, Cernierung Wiens, XI, 23.) *) Im Plane als Fürst Liechtensteingarten bezeichnet. 2) Diese Batterie hatte am 26. Oktober mittags den Befehl er­halten, aus dem Lager bei Laa in den Prater zu marschieren und sich dort dem Obersten Gramont zur Verfügung zu stellen. Bei der Ab­lösung der sechspfündigen Fußbatterie Nr. 5 geriet dieselbe noch während des Abprotzens in ein heftiges Gewehrfeuer der Insurgenten und in das Geschütz feuer von 4 feindlichen Geschützen aus dem Rasu- mowskygarten, sowie von 2 Geschützen, die hinter der Barrikade postiert waren. Trotzdem diese Batterie die Geschütze der Insurgenten viermal zum Schweigen brachte, nahmen diese das Feuer immer wieder auf, so daß der Geschützkampf mit kleinen Unterbrechungen die ganze Nacht bis zum andern Morgen um 8 Uhr früh andauerte. Bei dieser Gelegenheit gerieten die Holzlegestätte am rechten Kanalufer und mehrere Gebäude in Brand. (K. A., F. A. 1848, Cernierung Wiens, X, 201 i.) 8) Es war dies der Oberleutnant Kallinich, dem seine Kame­raden ein einfaches Denkmal setzten, welches aber durch den Eisgang im Jahre 1850 zerstört wurde. An Stelle desselben ließ Kaiser Franz Josef I. einen Granitblock errichten, der noch heute ungefähr 1000Schritte nördlich der Sophienbrücke, an der Straße gegen die Praterhauptallee steht und auf welchem sich mit vergoldeten Lettern nachstehende Inschrift befindet: „Am 26. Oktober 1848 fiel hier der k. k. Oberleutnant Johann Kallinich des Szluiner Nationalgrenzregimentes Nr. IV, 6. Ba­taillons, in Erfüllung seiner heiligsten Berufspflichten. Dem allgemein Beliebten wird von seinen Kameraden dies Denkmal als letzte Ehre gewidmet.” Diese Inschrift ist insoferne .richtigzustellen, als Ober­leutnant Kallinich zum 4. und nicht zum 6. Bataillon des Grenz-

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