Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre

304 Just. und Unterstützung hatte er unzählige Male gewährt mit dem einzigen Wunsche, daß sein Name nicht erwähnt werde. Immer bereit, taugliche und gute Elemente zu fördern, haßte er blinde Protektion. In großer Gesellschaft war Kray lebhaft, voll Geist und Witz, dabei von seltener Freimütigkeit selbst den höchsten Persönlichkeiten gegenüber. Feines Taktgefühl gepaart mit persönlicher Liebenswürdigkeit, umfassende, allgemeine Kennt­nisse sicherten ihm die Wertschätzung der „großen Welt”. Theater und musikalische Aufführungen fanden in ihm als Freund geselliger Vergnügungen stets einen verständnisvollen und aufmerksamen Zuhörer. Neben künstlerischen Neigungen hegte Kray eine innige Liebe zur Natur. Wie er als Major das Landleben in Zalatna pries, das einst auch den Vater der deutschen Poeterei Martin Opitz zu seinem Werke „Über die Ruhe des Gemütes” be­geistert hatte, so erfreuten den General die Blumen, welche Vicenzas Adel ihm während seines dortigen Aufenthaltes täglich ins Haus schickte. Alle Herrlichkeit des Südens, die Majestät der Schweizer Berge, die Schönheit der Pfalz ver­mochten aber nicht, die Liebe zur Heimat zu mindern, die er mit der ganzen Innigkeit des ungarischen Patrioten in sein Herz geschlossen hatte. Mit seinen Landsleuten teilte er den Dich niemalen in unnötiges Disputieren ein, wenn Du auch weißt, daß andere weniger wie Du verstehen. Fliehe alle Spiel- und Saufgesell­schaften, wodurch mancher sich sein Unglück zugezogen. Nun hast Du schon mehr übrige Stunden, welche Du zur Lesung guter Bücher an­wenden kannst; trachte eine französische Grammaire zu bekommen und fange an, Dich auch in dieser Sprache zu üben. Teile Dir die Stunden des Tages ein und meide allen Müßiggang, welcher zum Spielen und anderen Untugenden Anlaß gibt. Im Exerzieren zeige besonderen Eifer und Fleiß und zeige Dich niemalen verdrossen. Mit allen Stabs- und Oberoffiziers sei gut und zeige darin keine Parteilichkeit. Bede von niemandem rückwärts übel, leide es aber auch nicht von Dir zu tun. Vor allem sei ein guter Wirt. Du weißt, daß ich als Fähnrich mit 7 fl. zwei Jahre hab’ leben müssen und keine Schulden gemacht. Hüte Dich vor dieser Pest, denn man kommt, wenn man einmal verwickelt ist, sehr schwer daraus. Fange langsam an, so wirst Du weiter kommen und behänge Dich nur mit dem Notwendigsten. Obigen Bat ich Dir um so nachdrücklicher wiederhole, als alles dieses annoch von unserem seligen Herrn Vater in mein Gedächtnis eingedrücket ist.”

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