Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre

Briefe des FZM. Paul Freiherrn Kray de Krajova. 305 ganzen Stolz des Magyaren auf heimische Erde und Eigenart. Seine Jugend und Mannesjahre fallen in die Zeit, da die Um­gangssprache der gebildeten Kreise Ungarns fast ausschließ­lich die deutsche war. Er gebrauchte beide Idiome in voll­endeter Weise, sprach Slovakisch, Kroatisch, Walachisch neben Französisch und Italienisch. Zu diesen rein menschlichen Zügen traten Charaktereigen­schaften, die Kray für den militärischen Beruf prädesti­nierten. Es war kein rascher Aufstieg, den er genommen, obgleich seine Fähigkeiten und rein militärischen Vorzüge ihn zu einem solchen berechtigt hätten. Persönliche Tapferkeit, kaltblütige Entschlossenheit, vereinigten sich bei ihm mit zäher Ausdauer bei der Durchführung eines Entschlusses. Selbst in der größten Gefahr verlor er nie die Geistesgegen­wart. Wie Loudon, mit dem er sich gerne verglich, hatteer im Vorpostendienst gerade diese Eigenschaften am glän­zendsten betätigt. Er war der Mann der raschen Tat, der mit sicherem, scharfem Blick eingriif, auch wenn kein höherer Befehl sein Verhalten aneifern konnte. Der Erste beim Angriff, an der Spitze seiner Truppen oder im dichtesten Kampfgewühl, war er der Letzte, wenn es galt, den Rückzug zu decken1). Mit Liebe und vollem Vertemen hing die Truppe an ihm als Führer, denn er kannte ihre Bedürfnisse und sorgte für sie. Er forderte viel, wenn äußerste Kraftanspannung allein zum Ziele führen konnte, hatte aber ein offenes Auge fürTüchtig- *) *) Krays Generalstabsoffizier im Jahre 1796, der nachmalige FML. Graf Leonhard von Kothkirch, charakterisiert seinen Chef wie folgt: „Pani Kray war von Natur Soldat; so weit sein Auge reichte, konnte niemand zweckmäßigere Anordnungen treffen. Instinkt­artig traf er das liechte; der Augenblick bestimmte ihn augenblick­lich; vorbedachte Plane und Entwürfe waren nicht seine Sache. Ohne imponierendes Außere wußte doch niemand besser die Truppen zur äußersten Tapferkeit anzufeuern. Einige walachische Worte machten die Walachen, deren Oberst er früher war, gleich Grenadieren fechten. Im kleinen Trab, auf unscheinbaren Pferden, sah man ihn dort, wo die Gefahr am größten war. Stets zeigte er die ruhigste Passung, wenn er auch im Innersten gärte. Das Gefecht mochte noch so mißlich stehen, seine Ankunft stellte es her. Alles mußte vorwärts. Was nicht vor konnte, durfte wenigstens nicht weichen. Jeder fürchtete seine zwar seltenen, aber gewaltigen Ausbrüche mehr als die feindliche Übermacht.” (Österr. militärische Zeitschrift 1841, 2. Bd., 5. Heft, 149.) Mitteilungen des k. und k. Kriegsarchivs. Dritte Folge. VI. Bd. 20

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