Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre
296 Just. meinem hiesigen Wohlstand ersehen. Allerdings bin ich durch mein Anheroerscheinen und gnädigste Aufnahme des ganzen Hofes und der Noblesse sehr vergnügt und über alles Verflossene ganz beruhigt. Jedoch ist es eben dies, was mich in meinem Wunsch und Vorhaben bestärkt, niemals mich recht in die große Welt wagen zu wollen, wozu ich auch alle Gelegenheit meide, vielmehr schon Se. Majestät und den Palatínus gebeten, mich nach Ofen entfernen zu dürfen, welches mir auch zugestanden und meine Reise auf den 9. hujus bestimmt hat. Liebster Bruder! Wir dürfen jene Liebe und Verehrung von unseren Kindern nicht erwarten, mit welcher wir unseren armen Eltern stets zugetan blieben, woran sicher nur unsere besseren Vermögenszustände und vergrößerte Unterstützung Ursache sind. Sie haben nie genug, weil sie den Wert des Geldes, am wenigsten, wie hart man etwas zu erwerben vermag, kennen, mithin mehr Unnötiges als Nützliches sich anschaifen. Mir scheint, daß mein Filius mit jährlichen 2000 fl. zu verhungern besorgt. Seitdem ich hier bin, halte ich das ganze Haus nebst Pferden frei aus und gab ihm zur ungarischen Equipierung 500 fl., wodurch er befriedigt sein sollte, was aber doch nicht scheint. Das meiste aber, worüber ich unzufrieden bin, ist, daß ich ihn nicht zur Erlernung der ungarischen und lateinischen Sprache bringen kann, worüber ich täglich, aber fruchtlos zanke. Bei meinem Abgang will ich ihm ein etwas ernsthaftes Schreckbild zurücklassen, daß ich ihn so lange nicht aufs Gut lasse, bis er nicht mit den Untertanen und dasigem Adel in der Landessprache zu reden im stand sein wird. Vielleicht wirkt dieser Schreckensberger. Schreibe mir Deine Kommissionen nach Pest, wo ich mich zehn Tage aufzuhalten gedenke. Nach Wien gehe ich jetzt geflissentlich nicht, um keinen Anlaß zu Redereien zu geben. Du hast ganz recht, vom Silberkauf abzustehen. Man hat jetzt auf den großen Tafeln wenig Silberkonfektaufsätze, meist steht nur in der Mitte der Tafel ein kolorierter Aufsatz mit Gips- oder Alabasterfiguren oder ein großer Blumenkranz. Ich habe bis nun auch für mich nichts bestimmt, weil ich wenig große Paradediners zu geben willens bin.