Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre
Briefe des FZM. Paul Freiherrn Kray de Krajova. 297 Ich embrassiere Dich etc. und bin unverändert Dein aufrichtiger Bruder Paul Kray. Pest, den 21. Juli 1802. Meine Ofner Kur mußte ich bald aussetzen, weil die starke Wärme mir Kopf- und Kreuzschmerzen verursacht hat. Ich l’eise also morgen von hier nach Topolya, um zu sehen, wie die dortige Ernte und Wirtschaft steht. Mein Sohn will im September zu mir kommen. Da will ich sehen, wie er sich um die Wirtschaft annehmen wird. Deine Tochter ist gesund und sieht gut aus. Pest gefallet ihr besser als Zipsen. Das schwarze Taftkleid ist ganz ruiniert; man wird ihr ein dunkelblau seidenes machen lassen. Gestern habe ich ihr einen neuen Klaviermeister aufgenommen und ihr zugeredet, in der Musik fleißig zu sein, weil 'sie noch immer furchtsam spielt. Zu künftigen Pester Jahrmarkt gedenke ich wieder auf einige Tage herzukommen. Der Landtag scheint gespannt wegen starker Kekrutenforderungen; ich bin froh mit Ehren von dort weggekommen zu sein. Adieu, liebster Bruder! Ich embrassiere Dich etc. und bin Dein aufrichtiger Bruder Paul Kray. Pest, 20. September 1802. Ich befinde mich seit acht Tagen wieder hier, um ein und anderes für Topolya nachzuschaffen und zugleich meinen Sohn hier abzuwarten, der auch vorgestern abends anlangte, folglich das Gebäu in der Beendigung finden wird, dessen Beschleunigung mir genug Sorgen und Verdruß kostete, weil die Handwerker nicht Wort hielten. Bis Ende dieses wird der Bau zu stände gebracht sein bis auf das Ausmalen, welches schwerlich zu Ende Oktober fertig werden kann. Deine liebe Tochter habe ich gesund angetroffen. Herr und Frau Molnár rühmten mir ihren Fleiß an, jedoch scheint, daß sie zur Musik keine Passion habe und bloß Dir und mir zu Gefallen sich übe. Ihre große Neigung für Pest