Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre
292 Just. Du es bis Frühjahr und auf die Zeit verschieben, bis Du Deine Tochter selbst anher bringen könntest. Zu Ende dieses gibt mein Sohn seine Quittierung ein, wovon ich auch schon meinen Obristen prävenierte, solche ohne weiteres durch den gewöhnlichen Weg einzugeben. Ich embrassiere Dich herzlich nebst Deiner kranken Gemahlin und lieben Tochter und bin unverändert Dein aufrichtiger Bruder Paul Kray. Pest, den 31. Dezember 1801. Ich teile mit Dir den gerechten Schmerz und die tiefe Wunde, die Dir durch den Hintritt Deiner zärtlichen Gemahlin geschlagen ist. Da wir alles, was die weise Fürsehung über uns verhängt, mit christlicher Geduld und Gelassenheit annehmen müssen, so erübrigt uns nur, mit gänzlicher Ergebenheit uns in den höchsten Willen zu ergeben und seine weisen Fügungen anzubeten. Bald wird unser Alter und geschwächte Gesundheit uns den nämlichen Weg führen und aus diesem Labyrinth von Mühseligkeiten befreien. Fiat voluntas Domini! Frau Generalin Beleznay wollte um einen guten Ort für Deine liebe Tochter hier in Pest besorgt sein. Sie schickte auch gleich den evangelischen Pfarrer Molnár zu mir, das Nötige deshalb zu verabreden. Jetzt da der Fall einge- treten, war ich gestern selbst bei ihm, um mit seiner Gemahlin mich zu besprechen und selbst von der Gemächlichkeit im Hause und sonstigen Umständen zu überzeugen, die ich alle für Deine Tochter gut und zweckmäßig fand. Ich erkundigte mich auch um die Kosten, die man jährlich auf 200 Gulden erklärte, wobei die Kost, Frühstück, Jausen, Wäsche nebst Wohnung einverstanden, bloß die Lehrmeister ausgenommen sind. Sowohl Herr Pfarrer als seine Frau sind artige Leute. Sie haben eine elfjährige Tochter, welche Musik und andere Arbeiten lernt und ein artiges Mädel ist. Er hat auch drei Knaben, welche die Schule frequentieren, mithin wird Deine Tochter keine Langeweile haben. Da ich selbst alle Winters