Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre
Aach Übergabe des Armeekommandos reiste Kray über Preß bürg und Pest auf sein Gut Topolya, dessen Bewirtschaftung er mit tätiger Energie und Ausdauer in Angriff nahm. Ohne Groll, unverbitterten Herzens, voll treuer, dankbarer Anhänglichkeit an seinen Kriegsherrn, hiolt er sich vom öffentlichen Leben fern und trat aus dieser Reserve nur hervor, als er an den Landtagsversammlungen des Jahres 1802 in Preß- burg als ungarischer Baron teilnahm. Das Bewußtsein, die unverminderte Wertschätzung seines einstigen Führers, des Erzherzogs Karl, zu genießen, aber auch vor seinem KaiserJ) gerechtfertigt zu sein, ließ ihn alle Angriffe seiner Gegner leicht ertragen. Der Widersacher Groll verstummte schließlich vor der stillen, bescheidenen Größe und Würde, mit der Kray den jähen Wechsel vom gefeierten Helden zum schlichten Grundbesitzer aufnahm. In rastloser Fürsorge für seine Familie verlebte er die kurze Lebensspanne, die ihm noch beschieden sein sollte, den Winter über in Preßburg und Pest, den Sommer auf seinem Gute. Seine Briefe atmen unwandelbare Treue zu seinem Kaiser, wahre und tiefe Frömmigkeit, die dankbar den Lebensabend preist, der ihm beschieden 2). ') Siehe Brief vom 19. März 1802. 2) Diese Gesinnung zeigt auch sein am 1. Dezember 1800 abgefaßtes Testament. Nachdem er seinen Sohn Franz zum Universalerben eingesetzt, für den Fall jedoch, als dieser kinderlos sterben sollte, die Verfügung getroffen, daß das ganze Vermögen denen zufalle, die den Namen der Familie führen, spricht er den Wunsch aus, „ohne allen Pomp” begraben zu werden und schließt mit den Worten: „Ich scheide mit beruhigender Zuversicht aus diesem Jammertale und hoffe, daß mein Sohn Franz in meinen Fußtapfen die heiligsten Pflichten gegen Gott, gegen seinen Monarchen und gegen seine Nebenmenschen nie außer acht lassen und sich dadurch den Segen Gottes zuzuziehen bestreben werde”.