Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre

280 Just. Preßburg, den 8. September 1800. Aus meinem letzten Schreiben wirst Du meinen Abgang von der Armee vernommen haben. Demzufolge bin ich mit eigener Equipage bis eine Station über Linz, dann aber vor­aus mittels der Post bis anher nach Preßburg gereist, wo ich mit meinem Sohn gestern früh glücklich angelangt und alle die Seinigen gesund angetroffen habe. Unterwegs, drei Stationen über Wien, habe ich Se. Majestät den Kaiser in Begleitung des Erzherzogs Johann, jedoch nur im Yorbeifahren gesehen, welche zur Armee eilen und Se. Majestät nun selbst das Kommando über die Armee in Deutschland führen wollen. Gott segne die Unternehmungen dieses guten Monarchen, da­mit wir endlich einmal zu einem Frieden gelangen können. Gereicht mir dieses nicht zur Ehre, vom Bruder des Monarchen das Armeekommando übernommen zu haben und es nun in die Hände des Monarchen selbst überlassen zu können? Alles dies beruhigt mich sehr, weil der Kaiser nun allda selbst alles erfahren und beurteilen wird können, mit welchen gefahrvollen Sorgen ich mich aus der feindlichen Überlegenheit zu ziehen hatte und es dennoch dem Feinde nie geglückt war, mich zu schlagen oder mir eine Festung zu nehmen. Alles dieses tröstet mich und meine Freunde, die allen Anteil an meinem Ruhestand nehmen werden. Gott gebe, daß ich selben noch einige Jahre genießen könnte, um das Gut meinem Sohn zurichten und schuldenfrei über­lassen zu können. Ich halte mich noch einige Tage hier auf, dann reise ich mit meinem Sohn nach Pest, wo ich mir einstweilen ein Absteigquartier durch Herrn Vetter B o bics aufnehmen ließ und mich alsdann selbst um ein gutes und geräumiges umsehen werde, weil ich zur Winterszeit zu Pest und im Sommer auf dem Gut zu leben mir vornehme. Wie angenehm wäre es mir, wenn Deine Gesundheit, liebster Bruder, so beschaffen wäre, daß Du mich gegen den 20. dieses in Pest besuchen könntest, ■weil ich zu Anfang Oktober nach Topolya zu reisen antrage, um allda selbst alles zu besehen und zu arrangieren. Meine Bagage und Pferde, derer ich noch 20 habe, können erst den 21. dieses in Pest anlangen, wovon ich

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