Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793
Briefe des FZM. Paul Freiherrn Kray de Krajova. 97 dern und dafür danken kann. Ein Teil meiner Leute war mit mir und die übrigen in der Kirche. Derlei Unglück trifft hier fast täglich verschiedene Leute. Die Diebskunst nimmt gewaltig überhand, weilen man die Diebe so barmherzig behandelt. Ich höre, der Palatínus habe unter der Hand an den Kaiser wegen meiner Anstellung zu Felde geschrieben, weilen einige hiesige Magnaten darüber ihr Erstaunen zeigten, daß man einen so erprobten und erfahrenen General bei so üblen Kriegsumständen müßig ließe. Ich bin darüber betroffen, meine Ruhe gegen ein Labyrinth von Ungemächlichkeiten zu verwechseln. Vielleicht beharrt man beim Systeme und lasset mich noch weiter zurück. Vor drei Tagen speiste ich beim Palatínus, der sich recht gnädig bezeigte und deutlich merken ließ, wegen meiner geschrieben zu haben. Stelle Dir meine Verlegenheit vor, nebst den weiten Märschen annoch ein paar tausend Gulden auf Equipage und endlich meine erworbene Reputation wieder aufs Spiel gesetzt zu sehen. Wenn es dazu kommt, so bedaure mich, lieber Bruder, denn Du kennst am besten die Ränke der Welt, die gegen alle Verdienste und Tugenden toben. Doch wie Gott will! Ich embrassiere .... Pest, 29. Dezember 1792. e Liebster Bruder! Ich eröffnete Dir, daß der Palatínus, königl. Hoheit, wegen meiner Verwendung zu Feld an Seine Majestät den Kaiser geschrieben; hierauf kam aber keine Resolution. Die üblen Kriegsoperationen bewogen Se. Majestät, dem würdigsten FM. Prinzen Koburg das Armeekommando zu übertragen. Dieser große Held erinnerte sich meiner guten Dienste und bat den Kaiser, den FM. Lacy und Kriegspräsidenten um meine Anstellung. Man sagte es zu Wien zwar Sr. Durchlaucht zu, aber es erfolgte keine Resolution und man teilte ihm andere Generals zu. Betroffen über dieses, erneute er von hier aus seine Bitte unter Angeben, daß er erfahrene und des Vorpostendienstes kundige Generals zu Mitteilungen des k. undk. Kriegsarchivs. Dritte Folge. VI. Bd. 7