Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793
96 Just. Land gestiegen, wirst Du durch die Zeitungen selbst vernehmen. Ich figurierte auch bei allen Solemnitäten als Eingeladener mit und nahm in den Landtagssessionen meinen Sitz unter den Magnaten, obwohlen ich hierlands schlendrianmäßig noch nicht publiziert worden bin. Ich embrassiere . . . Pest, 26. Oktober 1792. Liebster Bruder! Dein Schreiben vom 6. ist mir richtig zugekommen und freut mich das allseitige Wohlsein. Mein jüngerer Sohn ist eben im Marsche nach Siebenbürgen, weil er aus der Bukowina zum Feldbataillon transferiert worden und zu Medias stehen wird, folglich heuer schwerlich mehr anhero auf Urlaub kommen dürfte. Daß die französischen Angelegenheiten eine widrige Wendung erhielten und mehrere Truppen von uns beordert sind, wird Dir ohnehin schon bekannt sein. Von Nádasdy ist gestern das Obristbataillon und heute eins von gewest Károlyi gegen Italien abmarschiert; die zwei anderen Bataillons rücken auch nach, sobald sie ihre Beurlaubten an sich gezogen und durch De Vins abgelöst sein werden. Die armen Offiziere sind in großer Verlegenheit, noch mehr aber ihre Frauen, so jetzt hier in Pest bleiben. Wie gut ist es, daß wir jetzt heraus sind und weder Ursach haben, anderer Glück zu beneiden, noch in ihre Verlegenheiten verwickelt zu werden. Ich embrassiere .. . Pest, 19. November 1792. Liebster Bruder! Die vorige Woche, als ich beim Kardinal-Primas zu Mittag speiste, wurde durch Eröffnung meiner Vorzimmertür mit einem Dietrich Beträchtliches an Silber aus meinem Schlafzimmer gestohlen, nämlich eine goldene Repetieruhr. das silberne Lavoir, zwei Leuchter, zwei große Kaffeekandel und zwölf Kaffeelöffel, zusammen bei 500 fl. an Wert. Ich hatte die Türschlüssel bei mir. Es muß ein französischer Egalitätsherr gewesen sein, weil er diese Stück zwischen anderem Silber ausgewählt und die andere Hälfte unbeschädigt ließ, ich also noch seine Raisonabilität bewun