Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Major Ludwig Eberle: Die Mission des Obersten Steigentesch nach Königsberg im Jahre 1809
Die Mission Steigentescli 1809. 359 „Stärkungen aus der Ferne herbeiruft, die nähern aus „Österreich, Ungarn und Mähren an mich zu ziehen, um „für die Diversionen, die in diesem Augenblick aus Böhmen „nach Sachsen und Franken unternommen werden und für „die Operationen naher und ferner Alliierten Zeit zu „gewinnen. „Ich bin Soldat, Sire, die Künste und Formen der „Diplomatie sind mir fremd. Aber ich glaube, daß jetzt „oder nie der Moment sei, alles zu retten, daß der Souverän, „der jetzt einseitig mit Napoleon traktierte, sein eigenes „Grab gräbt; daß Preußen und Österreich vereint, Kraft „erringen und behaupten müssen, die Schwachen im Süden „und Norden zu schützen, wenn je wieder Friede und „Kühe herrschen sollen. „Ich wünsche nichts so warm, als zu diesem großen „Zwecke mitzuwirken. „Geruhen Euer Majestät etc.” Minister Graf Stadion benachrichtigte in einer Depesche vom 6. Juni1) den Gesandten in Berlin, Freiherrn von Wessenberg, von der bevorstehenden Sendung des Obersten Freiherrn von Steigentesch. Er beleuchtet darin sehr eingehend die Haltung des Grafen Goltz, welche mit den vom Prinzen von Oranien im Namen des Königs gegebenen Zusicherungen wenig in Einklang stehe, und bevollmächtigte Wessenberg — offenbar in Ausführung der in seinem Schreiben an den Erzherzog angedeuteten Absicht, den Einfluß des Grafen Goltz tunlichst auszuschalten — in Unterhandlungen mit letzterem einzugehen, ja selbst bestimmte Vertragspunkte festzulegen, falls er darauf bestehe, die Frage um die künftige Gestaltung Deutschlands schon jetzt anzuschneiden. August Freiherr von Steigentesch, der vom Generalissimus für die überaus heikle Mission nach Königsberg ausgewählt wurde, war berufen, in der Geschichte des denk- *) *) Haus-, Hof- und Staatsarchiv; abgedruckt in Lebensbilder aus dem Befreiungskriege (Hoimayr) 3. Abt., S. 267, jedoch irrtümlich vom 9. Juni datiert.