Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Major Ludwig Eberle: Die Mission des Obersten Steigentesch nach Königsberg im Jahre 1809

356 E b e r 1 e. „folgende, auf die Absendung des Baron Steigentesch „Bezug habende Bemerkungen gehorsamst beifügen zu sollen: „1. Müßte seine Abreise auf das möglichste beschleu­nigt werden, damit er in seinem Geschäft schon einige „Fortschritte gemacht hätte, ehe die vom Grafen Goltz ,,in Berlin eingeleiteten Negoziationen (welche ich jedoch „soviel möglich unschädlich zu machen suche) zu Kreuzungen „oder Einstreuungen Gelegenheit geben könnten. ,,2. Hätte er ein Schreiben Seiner Majestät an den „König, welches ihm als Beglaubigung diente, mitzu- ,,bringen. „3. Würde es mir sehr an seinem Platze scheinen, „daß Eure Kaiserliche Hoheit geruhete, ihm ebenfalls ein „Schreiben an den König mitzugeben, welches in einem „sehr konfidentiellen Tone abgefaßt sein, mit dem Anschein „der größten Freimütigkeit ein kurzes Tableau unserer „militärischen Lage, unserer Pläne und Erwartungen „enthalten und besonders zu dem Endzweck verfaßt werden „dürfte, die Hoffnungen und das Vertrauen des Königs auf „uns zu erheben und ihn zu einer aufs möglichste be­schleunigten Tätigkeit aufzufordern.” Auch in diesem Schreiben prägt sich Stadions Be­fürchtung aus, Graf Goltz beabsichtige, die Verhandlungen in die Länge zu ziehen, damit Preußen, ohne sich nach irgend einer Richtung bloßzustellen, im Falle eines ent­scheidenden Erfolges der österreichischen Waffen mühelos seinen Teil einheimsen könne. Andererseits ist der redliche Wille Stadions nicht zu verkennen, den Bestrebungen und Empfindlichkeiten der preußischen Politik nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. Erzherzog Karl unterzog in seiner Antwort1) die Aus­führungen Stadions einer eingehenden Würdigung. Er bezeichnete den Entwurf für die Konvention mit Warschau nur als eine dem Minister gegebene Anregung, glaubte jedoch, daß infolge der aus Mähren nach Galizien beorderten Ver­stärkungen und bei einer drohenden Bewegung von Seiten Preußens sich eine Vereinbarung vielleicht bald herbeiführen ') Deutsch-Wagram, 5. Juni. (K. A., Militärfeldakten a 1809, VI, 4.)

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