Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Major Ludwig Eberle: Die Mission des Obersten Steigentesch nach Königsberg im Jahre 1809
Die Mission Steigentescli 1809. 355 „von Ä bis I angeführt sind, zu erlangen, müßten wohl im „voraus alle Streitkräfte des Herzogtums und alle Möglichkeit auch nur zu einer partiellen Widersetzung in „demselben vernichtet sein. Dabei aber muß ich bemerken, „daß, so wie es Eurer Kaiserlichen Hoheit bekannt ist, wir „zu Anfang des Monats Mai, und noch ganz kürzlich, dem „Petersburger Hof den Antrag einer gemeinschaftlichen „Besetzung und Indepotnehmung des Herzogtums War- ,,schau gemacht haben, und daß ehe uns die Antwort „des russischen Kaisers auf diesen Vorschlag zugekommen „ist, über das zukünftige Schicksal des Herzogtums „Warschau, während oder nach dem Kriege, nicht wohl „einseitig verhandelt werden dürfte. Für Preußen würde es „demnach hinlänglich sein, fürs erste nur von einer solchen „Indepotnehmung im allgemeinen zu sprechen, ohne noch „in das Einzelne der zu setzenden Bedingungen einzu- „gehen. „Wie mit dem König von Sachsen für den Pall, daß „er sich gezwungen sähe, von seinen Verbindungen mit „dem Kaiser Napoleon abzutreten, zu unterhandeln sei, „scheint mir für jetzo platterdings noch nicht mit Genauigkeit bestimmt werden zu können, weil vermutlich in „einem solchen Falle nicht einzig von unserem Gesichtspunkt, sondern auch von der Betrachtung der Gesichtspunkte anderer Höfe wird ausgegangen werden müssen, „die sich entweder mit uns verbinden oder deren Interesse „wir Aufmerksamkeit zu widmen im Falle sind. Hieher „rechne ich sowohl das englische Kabinett, als auch selbst „das russische, wenn, wie es wenigstens möglich ist, der „Kaiser Alexander bis dahin noch einige Menagements „gegen unseren Hof beibehalten hätte. Ob es wirklich „platzgreifend sein sollte, in dem eben vorausgesetzten „Falle dem König von Sachsen das Herzogtum Warschau, „unter welchen Bedingungen es auch sei, zu belassen, „oder sich darüber im voraus zu erklären, muß ich billig „bezweifeln. „Nachdem ich mir die Freiheit genommen habe, Eurer „Kaiserlichen Hoheit meine freimütige Meinung über die „gemachten Mitteilungen zu unterlegen, glaube ich noch 23*