Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794
Militärluftschiffahrt im Feldzug 1794. 165 im Verlauf der Schlacht herablangten, ist leider keine einzige erhalten geblieben und eben deshalb ist es nicht mehr möglich, die widersprechenden Urteile über den Nutzen des Ballons auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Man muß sich also damit begnügen, die Meinungen der Zeitgenossen und Augenzeugen wiederzugeben: Die Generale So ult und Championet erklären in ihren Memoiren ganz dezidiert, daß der Aufstieg bei Fleurus keinerlei Dienste geleistet habe, es wäre demi der, daß der Anblick des in den Lüften schwebenden Ballons den kaiserlichen Soldaten Schrecken einflößte. Die Neuheit der Erscheinung hat allerdings zweifellos Eindruck gemacht; von einer Panik jedoch, von welcher in einzelnen französischen Dokumenten J) Andeutungen Vorkommen, kann nicht die Bede sein2). * *) stab verfinsterten sich immer mehr. Der Kanonendonner schien aus allen Richtungen näher zu kommen, was deutlich bezeugte, daß der Feind im Vorrücken war . . Kaum zwei Stunden später sprach sich der Rückzug der Unseren schon ganz klar aus . . .” (Aus der Erzählung Seile de Beauchamps.) *) So schreibt der Adjutant, General Rochefort an Guyton aus Marchiennes au Pont am 27. Juni 1794: „.........Am 6. Messidor [24. Juni], als der Ballon in der Umgebung von Charleroi erschien, wurde die Besatzung, die sich diese Erscheinung nicht erklären konnte, von Schrecken erfaßt. Doch ihre Offiziere, gleich geschickt darin, ihre Leute zu täuschen als zu tyrannisieren, nützten unsere Erfindung inso- ferne zu ihrem Vorteil aus, als sie erklärten, der Ballon sei ein Signal, daß eine starke Armee zum Entsatz nahe. Gestern [am Schlachttag von Eleurus], wo uns der Ballon so große Dienste leistete, haben die Chefs der österreichischen Armee, welche diesmal keinen ähnlichen Nutzen daraus ziehen konnten, wie in Charleroi, ihre erschreckten Leute damit beruhigt, daß sie die ganze Sache ins Lächerliche zogen und behaupteten, die Erscheinung des Ballons habe nichts mit den Bewegungen der Armee zu tun, es seien ohne Zweifel irgend welche Franzosen, die sich einen Spaß machen wollten. Ich habe diese Erzählungen von einigen Deserteuren aus Charleroi .........” — In einem anderen Briefe Ro cheforts findet sich die Bemerkung, daß FM. Koburg den Ballon wiederholt verwünscht habe: „Es gibt doch nichts, was diese Mordkerle [scélérats] nicht erfinden. Da oben sitzt ein Spion drin und ich habe kein Mittel, ihn zu fassen und hängen zu lassen.” 2) Seile de Beauchamps erzählt, daß österreichische Gefangene, die in der Nähe der Höhe von Jumet vorübergeführt wurden, beim