Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794

Militärluftschiffalart im Feldzug 1794. 141 gefüllt war. In diesen Bottich, strömte das Wasserstoffgas ein und wurde dort vom Kohlenstoff gereinigt”. „Nach Beendigung dieser Vorbereitungen wurde der Ofen mit Brennholz geheizt und das Feuer so lange unter­halten, bis die Rohre weißglühend waren. Das vom oberen Bottich herabfließende Wasser setzte seinen Sauerstoff in den glühenden Rohren ab, während der Wasserstoff in den unteren Bottich drang, sich dort vom Kohlenstoff reinigte und weiters infolge des ihm innewohnenden Auftriebes durch ein Kaut­schukrohr in den daneben befindlichen Ballon entwich, welcher sich nach Maßgabe des einströmenden Gases auf­blähte”. „Der ganze Vorgang erforderte die peinlichste Genauig­keit. Das Feuer mußte derart unterhalten werden, daß sich die Hitze stets gleichmäßig auf alle Eisenrohre verteilte. Man mußte acht haben, daß sich in keinem derselben Ritzen oder Ausbauchungen bildeten, damit keine Ausströmung stattfände. Wenn aber eine solche zu stände kam, was man am Er­scheinen einer kleinen bläulichen Flamme wahrnahm, dann hieß es, diese eiligst zu ersticken, was bei der Weißglühhitze nie ohne Mühe und Gefahr gelang”. „Die Füllungsarbeiten dauerten, abgesehen von der Konstruktion und Aufstellung des ganzen Apparates gewöhn­lich 36 bis 40 Stunden, während welcher man den Ofen keinen Augenblick verlassen durfte”. „Man begnügte sich daher vorerst mit der Anwendung der Luftschiffe in den festen Plätzen, was ja auch der Grund dafür war, daß man uns nach Maubeuge gesendet hatte ......... Di e Oberleitung aller Arbeiten hatte sich der Kapitän Coutelle Vorbehalten. Der erste Leutnant, den jener sich zugeteilt hatte, war Maurer von Profession, der wohl nur sein spezielles Fach verstand. Der zweite Leutnant, ein liebens­würdiger junger Mann, der Sohn eines namhaften Physikers und selbst in diesem Fache sehr unterrichtet, entsprach im weiteren Verlauf unserem Dienste in allen Richtungen”. „Wir arbeiteten sehr hart; man mußte fast in allen Handwerken Bescheid wissen, als Maurer, Zimmermann, Schlosser, Holzarbeiter zugreifen können, wovon mancher bislang keine Ahnung gehabt hatte. Alles aber ward unter

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