Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794
Militärluft Schiffahrt im Feldzug 1794. 129 herzogs in hohem Interesse aufleuchten und seine mahnend erhobene linke Hand scheint auszudrücken, wie er soeben seine Umgebung vor vorschnellem Urteil warnt. Waren doch im dargestellten Augenblick kaum erst drei Jahre vergangen, seit unter der neuen Ära in Frankreich wild aufflammende und tatkräftige Begeisterung die jüngste technische Errungenschaft des endenden achtzehnten Jahrhunderts in den Dienst der Vaterlandsverteidigung gestellt hatte, und waren doch trotz dieses kurzen Zeitraumes die damit gemachten Erfahrungen nicht zu unterschätzen! Es ist bekannt, daß die Erfindung des Luftballons in ganz Frankreich, insbesondere aber in Paris lebhaftes Interesse hervorrief. Nach den ersten Versuchen und Aufstiegen der Brüder Montgolfier mit ihren Warmluftballons am 5. Juni, der nicht minder berühmten Auffahrt in Versailles am 19. September 1783 und nach den Erfolgen des Chemikers Charles, der seine Ballons, die „Charliéres”, bereits mit Wasserstoffgas füllte und sogar schon Ventile anwendete, ergriff ein wahres Luftschifferfieber alle Geister. Alle Welt in Paris wollte Ballons konstruieren, die verschiedenartigsten Stoffe, Seide, Papier, Goldschlägerhäutchen, Tuch oder Leinen, wurden als Hüllen versucht und in den mannigfaltigsten Formen, in Fisch-, Schiff- und Vogelgestalten durchfurchten zeitweise die abenteuerlichsten Modelle die Luft. Trotz dieses weitverbreiteten Interesses, welches übrigens bald wieder erlahmte, weil sich die utopischen Hoffnungen auf die Lösung des Problems der Lenkbarkeit nicht erfüllten — obwohl ferner die Akademie, die wissenschaftliche und praktische Bedeutung der Erfindung erkennend, seit dem Jahre 1784 mancherlei Studien und Versuche zu dem Zwecke anstellen ließ, die Luftschiffe nutzbar zu machen1), gelangte man doch damals noch zu keiner irgendwie dienlichen Verwendung des Ballons. Er blieb lediglich ein Versuchsobjekt der Gelehrten *) *) So legte am 14. Jänner 1784 der Physiker Carra der Akademie das Projekt eines lenkbaren Luftschiffes vor, welches durch Schaufelräder bewegt werden sollte und im nächsten Jahre schlug der Architekt Masse einen walzenförmigen Ballon vor, der seine Beweglichkeit und Lenkbarkeit durch große, gegliederte Ruder erlangen sollte. (Nach Sazerac de Forge, La conquéte de Fair.) Mitteilungen des k. und k. Kriegsarckivs. Dritte Folge. V. Bd. 9