Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794
130 Peters. oder ein Spielzeug zur Unterhaltung der schaulustigen Volksmassen. Erst 1793, während der blutigen Staatsumwälzung Frankreichs, in welcher die entfesselte patriotische Leidenschaft überhaupt alle nur denkbare menschliche Tätigkeit zu Kriegszwecken heranzog, fand auch die junge Luftschiffahrt, und zwar auf Grund verschiedener von privater Seite gemachten Vorschläge und eingereichten Memoires, ihre erste militärische V erwertung. Zwar hatte schon Ende der Achtziger Jahre des XVIII. Jahrhunderts ein erfahrener gelehrter Militär, der am 13. Juni 1793 gestorbene General Meusnier1), der „erste große Techniker der Aeronautik”, eine wertvolle Denkschrift über den Stand der Erfindung zu Ende des Jahrhunderts verfaßt. In diesem Dokument ist jedoch merkwürdigerweise die so naheliegende militärische Bedeutung des Ballons gar nicht erwähnt, obwohl der genannte hochgebildete Soldat bei den vielen Belagerungen, die er mitgemacht hatte, am ehesten auf eine solche Idee hätte kommen können. Gerade in der verzweifelten Situation nun, da der Krieg im Innern und an den Grenzen tobte, die Vendee im mörderischen Aufstand begriffen war und nahezu ganz Europa gegen Frankreich im Felde stand, entschloß sich der an alle Volkskräfte appellierende Konvent zur Realisierung der — scheinbar — ganz neuen Idee, Luftschiffe zur Erkundung und Beobachtung des Feindes zu verwenden 2). ') Der erste, welcher die Einfügung von Luftsäcken („Ballonets”) in das Innere des Ballons angab ; eine Erfindung, die auch heute noch bei Fessel- und lenkbaren Ballons eine große Rolle spielt. (Nach Hildebrandt, Die Luftschiffahrt.) 2) Daß die Idee aber schon zehn Jahre früher (zum ersten Male ?) ausgesprochen wurde, zeigt die nachstehende Notiz in Moedebecks Taschenbuch etc. für Flugtechniker und Luftschifier, S. 251: „Girond de Vilette steigt am 9. Oktober 1783 in der gefesselten ,Montgolfiére’ der Rue de Montreuil auf und schreibt darüber am 20. November: »Dés l’instant je fus convaincu, que cette machine seroit trés utile dans une armée pour découvrir la position de celle de l’ennemi, ses manoeuvres, ses marches, ses dispositions et les annoncer par de signaux. Je crois, qu'en mer, il est également possible avec précaution, de se servir de cette machine.«”