Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Hauptmann Paldus: Johann Christoph Müller. Ein Beitrag zur Geschichte vaterländischer Kartographie

98 Paldu s. königl. Städten: Aussig und Leitmeritz.*) Der Pilsner Kreis, Circulus Pilsnensis, mit den königl. Städten: Klattau, Mies, Pilsen und Rokitzan. Der Prachiner Kreis, Circulus Prachi- nensis, mit den königl. Städten: Pisek, Schüttenhofen und Wodnian (Wodnan). Der Rakonitzer Kreis, Circulus Rakoni- censis, mit der königl. Stadt Rakonitz. Der Saazer Kreis,2) Circulus Satecensis, mit den königl. Städten: Brix (Brüx), Elenbogen (Elbogen), Joachimsthal (Set.), Caaden (Kaaden), Carlsbad (Karlsbad),3) Commotau (Komotau), Laun und Saatz (Saaz). Der Distrikt Eger, Districtus Egeranus, mit der königl. Stadt Eger4). Das k. und k. Kriegsarchiv besitzt eine interessante, aus der Verlassenschaft des Prinzen Karl von Lothringen stammende, handschriftliche Karte über den „Districtus Egeranus” von J. Chr. Müller. Diese Zeichnung ist die ') Zum Leitmeritzer Kreise gehören offenbar die in der Ober­lausitz gelegenen Exklaven Unt.-Leitersdorf (Leutersdorf) und Schürgs- wald (Schirgiswalde). *) Joachimsthal und Karlsbad sind Städte ohne Ringmauern. 8) Über Karlsbad und den Eibogner Kreis stammt eine Karte von Zurner 1715. Sie führt den Titel „Geographischer Entwurff der Stadt und Gegend des Welt berühmten Kaeyser Carlsbades in Königreich Böhmen, vorstellend den Ellenbognischen Creiß sambt denen hie mit vermengten und angräntzenden Gegenden, so theils mit Instrumenten ein gehohlet theils aus erhaltenen Nachrichten zusammen getragen und nach gegen über stehendem Schlüssel sonderlich für die Reisenden und fremden nützl. zu gebrauchen eingerichtet von M. A. E. Zurner P. S. M. gestochen von Peter Schencken jun. mit königl. und churf. Sächß. Priv. 1715”. (1:166.000), 1 gest. Blatt. 4) Das Egerland war einst Hausgut der Vohburger Grafen und der Staufischen Kaiser. Nach dem Untergang der Staufer zerfiel das Ländchen in einen westlichen (oberpfälzischen oder oberfränkischen) und in einen östlichen Teil. Letzterer kam unter Johann von Luxem­burg, der ihn nach der Schlacht bei Mühldorf 1322 von Ludwig dem Bayer zum Pfände erhielt, zu Böhmen. Das Egerland besaß eine autonome Stellung und besorgte seine Angelegenheiten auf eigenen Kreistagen. Seit dem XVI. Jahrhundert hatte es sich nur in Steuersachen nach dem ganzen Lande zu richten. Es verhielten sich Eger und Elbogen zu Böhmen, etwa so wie Vorarlberg zu Tirol. Unter Maria Theresia und Josef II. verlor das Egerland seine Autonomie und wurde dem damaligen Eibogner Kreise einverleibt. (Schlesinger, Geschichte, v. Böhmen.)

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