Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Hauptmann Paldus: Johann Christoph Müller. Ein Beitrag zur Geschichte vaterländischer Kartographie
Ein Beitrag zur vaterländischen Kartographie. 99 einzige, welche von den einzelnen Müller sehen Kreiskarten des Königreiches Böhmen im Original bis jetzt bekannt ist. Sie war für den Hofkriegsrat angefertigt und führt folgenden Titel: „Mappa districtűs Egrani cum adiacentium regionum partibus et locis conterminis quem accurate emensus est, et in usum Excelsi Consilii Aulico-Bellici delineavit Joh: Christ: Müller, S. C. M. Capit: et Ingen:”1), 1:69.000, 1 gez. Blatt Pergament. Größe 405 cmy^ád'bcm. Das Terrain ist perspektivisch, das Flußnetz blau, Wälder grün, Ortschaften rot mit Gold und Straßen braun. An Signaturen enthält die Karte: Loca muro cincta per se, ex ichnographia sua cognoscuntur, Vici, seu Opida, Pagi cum et sine templo, Palatia Nobilium, Templa solitaria, Arx desolata, Officináé ferrariae, Villae, Molae, Pisciniae, Sylvae und Viae principaliores. Die Gradeinteilung weicht etwas von jener in der großen Karte von Böhmen ab, ebenso das Straßennetz, auch die Schreibweise der Ortsnamen ist verschieden. Asch* 2) ist auf dieser gezeichneten Karte nicht zu Böhmen gehörig dargestellt, hingegen das Gebiet von Albenreuth gegen Bayern abgegrenzt. Die Grafschaft Glatz,3) Comitatus Glacensis, ist in sechs Distrikte eingeteilt: Der Neuroder Distrikt, der Wünschel*) K. A., Kartenabt. B IX a 102. 2) Das Gebiet von Asch ist auf der Müller sehen Karte irrtümlich nicht zu Böhmen gerechnet. In der späteren großen Aufnahme des Landes unter Kaiser Josef II. aus den Jahren 1764—1783 ist das Gebiet von Asch, sowie jenes von Albenreuth und Mugl nach Böhmen einbezogen, jedoch vom Egerland abgegrenzt. (K. A., Kartenabt. B IX a 92.) Mit dem Egerland kam durch die Heirat Friedrich Bar bar os sas mit Adelheid von Vohburg auch das Gebiet von Asch an die Hohenstaufen. Friedrich II. gab dem benachbarten Vogte Heinrich von Plauen die Gerichte von Asch und Selb. Johann von Luxemburg erwarb Asch mit dem Egerland dauernd der böhmischen Krone. Bis zum Jahre 1770 hatte es als Lehen der Krone Böhmens eine besondere staatsrechtliche Stellung. (Slovnlk Naucny, 2. Bd. 1889, 934.) 3) Die Provinz Glatz wurde vom Herzog Bretislaw II. von Böhmen an Boleslaw, Sohn des Königs Wladislaw I. von Polen, (1093) als böhmisches Lehen übergeben. Im Sedletzer Vertrag 1278 erhielt sie Heinrich IV. von Breslau zum Nutzgenuß, nach dessen Tode fiel sie wieder an Wenzel II. zurück. 1453 gelangte Glatz in den pfandweisen Besitz des damaligen Statthalters von Böhmen, Georg von Podiebrad. (Schlesinger, Gesch. v. Böhmen.) 1462 wurde Glatz 7*