Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Hauptmann Just: Das Herzogtum Warschau von seinen Anfängen bis zum Kampf mit Österreich 1809

Das Herzogtum Warschau. 79 Tapferkeit vor dem Feindex); der Kriegsminister beglück­wünschte die Beteilten in einem besonderen Tagesbefehl und gab damit die Stimmung der ganzen Armee wieder * 2). Die äußeren Formen für die Entwicklung des Heeres waren gegeben, die losen Truppenteile in festen Rahmen gefügt und doch fehlte ihm die Seele aller gedeihlichen militärischen Tätigkeit — der Geist des Gehorsams und des einheitlichen Zusammenwirkens. Diesen zu erwecken und stets wach zu. erhalten, mußte die erste und wichtigste Sorge der Heeres­verwaltung sein. Während die Generale D^browski und Zaja,czek die ihnen von Napoleon geschenkten Güter bewirtschafteten und nur zeitweilig ihre Truppen inspizierten, blieb die Last der höchsten administrativen Stellung auch nach dem Kriege dem Fürsten Josef Poniatowski anvertraut, der „dies Amt gerne abgegeben hätte, wäre jemand anderer nur bereit gewesen, es zu übernehmen”3). Schon am 5. August 1807 hatte derselbe in einem Tagesbefehle 4) das Ziel bezeichnet, dessen Erreichung ihm stets vor Augen bleiben werde, die Erziehung zu Ordnung und Gehorsam. Napoleon sei mit den Polen zufrieden gewesen, habe ihren Mut, ihre Unerschrockenheit anerkannt, jedoch auch hervorgehoben, sie verständen weder genaue Ausführung von Befehlen, noch einheitliches Wirken, welches den wahren Soldaten erst ausmache. Sie hätten mili­tärische Ehre erworben, aber noch nicht genug für sich und den Ruhm des Vaterlandes getan. Hiezu seien Eintracht, Ordnung und Gehorsam nötig, die zu erwerben ihr Bestreben sein müsse. Während des Krieges war an eine gründliche Ausbildung der Truppen nicht zu denken gewesen. Die Mannschaft bestand aus Freiwilligen, bei welchen strenge Disziplin und Zucht zu üben oft vermieden wurde, um den Eifer und die Begeisterung für die nationale Sache nicht zu vermindern. Gerade die moralische Erziehung des Mannes zu Ordnung, ') An die Auszahlung der mit diesem Orden verbundenen .Renten konnte freilich des herrschenden Geldmangels wegen nicht gedacht werden. 2) Anhang XI. 3) Pami^tniki Drzewieckiego, 219. *) Anhang XII.

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