Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Hauptmann Just: Das Herzogtum Warschau von seinen Anfängen bis zum Kampf mit Österreich 1809

80 Just. Selbstzucht und opferfreudigem Gehorsam bildet aber die Grundlage für alle weitere militärische Friedensausbildung und deshalb ging 'Fürst Poniatowski nlit größtem Eifer daran, dies Ziel als erstes, wichtigstes anzustreben. Nach dem Spruche Friedrich II. liegt „der Geist der Armee in den Offiziers”. Gerade bei den höchsten Offi­zieren aber, den Legionskommandanten Dabrowski und Zaj^czek1) stieß Fürst Poniatowski auf Unbotmäßigkeit, die sich auch nach unten fortpflanzte und seine Bemühungen, * 8 ') Bereits in jungen Jahren war derselbe in die polnische Armee eingetreten und hatte sich als Generalstahschef des Kronfeldherrn Grafen Branicki verwendbar gezeigt, später auch im politischen Lehen eine bedeutende Rolle gespielt. Im polnischen Freiheitskampf wurde er am 8. Juni von den Russen unter Derfelden hei Chelm geschlagen und bei der Verteidigung Rragas gegen Suworow verwundet. Ob der Vor­wurf des Verrates, der nach dem Falle Pragas gegen ihn erhoben ward, begründet sei, ist unerweislich. Nach einer längeren Haft in Österreich trat er in die italienische Legion ein, schloß sich Napoleon auf dem Zuge nach Ägypten an und verblieb sodann in französischen Diensten. Im Lager von Boulogne kommandierte er eine Division und erschien über Befehl Napoleons in Posen, um die Aufstellung der Kaliszer Legion in Angriff zu nehmen. Seiner Tätigkeit als Komman­dant des „polnischen Observationskorps”, die ihm manchen berechtigten Tadel von Seite des Kaisers eintrug, wurde bereits im I. Abschnitt gedacht. — Während des Feldzuges 1809 trat seine alte Gegnerschaft und der lang verhaltene Groll gegen den Fürsten Poniatowski so offen und scharf zu tage, daß ihn dieser gleich in den ersten Tagen der Kampagne von der Feldarmee entfernte und mit einer „entlegeneren” besonderen Mission betraute. Nach der Räumung Warschaus durch die k. k. österreichischen Truppen erlitt Zaj^czek bei der Verfolgung des detachierten GM. Freiherrn von Mohr bei Jedlinsko am 11. Juni eine empfindliche Schlappe. — Beim Rückzug der „Großen Armee” von Moskau 1812 verlor er ein Bein, was die allgemeine Meinung etwas zu seinen Gunsten beeinflußte. Als Polen nach den Bestimmungen des Wiener Kongresses als Königreich an Rußland fiel, nahm er 1815 als Greis den Posten eines „kaiserlichen Kommissärs bei der Regierung von Polen” an, dem jedoch seine Kräfte nicht gewachsen waren. — Persönlicher Mut und Kaltblütigkeit werden ihm nachgerühmt, Ehrgeiz und Wankelmut aber bilden Schattenseiten seines Wesens, das sich keiner allgemeinen Sympathien erfreute. Die Memoiren der Gräfin Potocka, 250, sprechen von ihm als „Emporkömmling und Schmeichler Napoleons” und tadeln herbe seine „knechtische Unterwürfigkeit gegen •den Zaren Alexander, dem er mit derselben Ergebenheit wie vordem Napoleon zu dienen” erklärt habe.

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