Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)
Hauptmann Just: Das Herzogtum Warschau von seinen Anfängen bis zum Kampf mit Österreich 1809
78 Just. hatten, die Möglichkeit des Eintritts in die Armee eröffnet1). Dieselben konnten sich einer Prüfung vor zwei Brigadegeneralen unterziehen und wurden dann je nach dem Umfang der bewiesenen militärischen Kenntnisse als Offiziere übernommen. Zur Heranbildung eines Offiziersnachwuchses wurden eine Ingenieurschule zu Warschau und zwei Kadettenschulen in Kalisz und Kulm errichtet. Als Gerichtsstand für alle Militärpersonen sowohl in zivil-, wie strafrechtlicher Beziehung fungierten die allgemeinen bürgerlichen Gerichtshöfe. Eine der ersten Verordnungen des Königs von Sachsen hatte die bis dáhin bestehenden besonderen Militärgerichte aufgehoben* 2) und damit eine noch heute heftig diskutierte Erage über die Exemption der Militär personell in ganz modernem Sinne entschieden. Zur freudigen Genugtuung der ganzen Armee war der militärische Verdienstorden, den der letzte König von Polen über Anraten seines Neffen, des Fürsten Josef Poniatowski, im Jahre 1792 gegründet, auf Rußlands Forderung aber bald aufgehoben hatte, vom König von Sachsen wieder erneuert worden3). Offiziere und Soldaten, die im letzten Feldzug sich ausgezeichnet hatten, erhielten dieses Zeichen besonderer ‘) Journal de l’Empire, 1. September 1807. 2) Ebenda, Warschau, vom 2. Oktober 1807. Den Grund zu dieser Verfügung gaben die zahlreichen Ausschreitungen der Truppen gegen die ansässigen Deutschen. Fürst Poniatowski hatte bereits vor Erlaß der königlichen Verordnung den Truppen unter Androhung der schärfsten Strafen verboten, die deutschen Kolonisten, deren Industrie dem Staate nützlich sei, durch Wort oder Tat zu beleidigen. 3) Der Orden war dem österreichischen Militär-Maria Theresien- Orden nachgebildet; Anspruch auf denselben gab nur ausgezeichnetes Verhalten vor dem Feinde. Der Orden hatte drei Klassen, für Mannschaft silberne und goldene Medaillen, mit deren Besitz auch der Bezug einer Kente verbunden war. Das Ordenszeichen bestand aus einem goldenen, mit schwarzem Email überzogenen Kreuz, an dessen Enden die Inschrift: „virtuti militari” angebracht war. In einem Mittelschild war der von einem Lorbeerkranz umgebene weiße polnische Adler angebracht. Die Reversseite führte in einem dunkelblauen Mittelschild die Worte: „regi et patriae”. Eine ausführliche Darstellung der Geschichte dieses Ordens enthalten die Jahrbücher für die deutsche Armee, 1898, Bd. 108