Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)
Hauptmann Czeike: Aufmarsch der österreichischen Armee gegen die Revolution im Oktober 1848
266 C z e i k e. Zur Beobachtung der ungarischen Grenze waren zwei Kompagnien Wiener Freiwillige Jäger und ein Zug Kreß- Chevaulegers in Bruck a. d. Leitha zurückgeblieben, welche am 11. nach Schwechat eingezogen wurden. Am 11. Oktober mittags fand im Wirtshaus „zum Landgut” außerhalb der Favoritenlinie eine Besprechung zwischen Auersperg und Jellacic statt, bei welcher die militärische Lage beider Armeekorps zur Erörterung gelangte. Die Situation derselben war zu dieser Zeit eine keineswegs günstige zu nennen, sie konnte sich bei einem gleichzeitigen Angriff der ungarischen Armee und der Wiener Aufständischen sogar äußerst kritisch gestalten. Dieser Fall war aber nach der Lage der Dinge zum mindesten nicht ausgeschlossen. In Wien hatte man seit 6. Oktober alle Mittel aufgeboten, die Stadt in Verteidigungsstand zu setzen, gleichzeitig aber mit Auersperg und Jellacic Verhandlungen angeknüpft, um deren Angriff hintanzuhalten oder wenigstens so lange hinauszuschieben, bis die von den Ungarn sehnlichst erwartete Hilfe sich geltend machte. Die leitenden Organe des Wiener Aufstandes waren der konstitutionelle Reichstag und der Wiener Gemeinderat. Ersterer hatte dem Nationalgarde-Oberkommando den Auftrag erteilt, Wien in Verteidigungsstand zu setzen und den Wiener Gemeinderat aufgefordert, in stetem Zusammenwirken mit diesem alle zur Verteidigung der Stadt erforderlichen Maßregeln zu treffen; allein weder der Reichstag noch der Gemeinderat wollten die Last der hieraus erwachsenden Verantwortung auf sich nehmen, sie trachteten, siegegenseitig abzuwälzen. Mit Auersperg und Jellacic setzte sich der Reichstag durch Deputationen und Zuschriften wiederholt in Verbindung. Auersperg wurde aufgefordert, den Schwarzenberggarten zu räumen und den Banus Jellacic zu bestimmen, mit seinen Truppen den österreichischen Boden zu verlassen, die Zufuhr von Lebensmitteln m die Stadt nicht zu hemmen und dergleichen mehr.