Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)
Hauptmann Czeike: Aufmarsch der österreichischen Armee gegen die Revolution im Oktober 1848
Aufmarsch der österreichischen Armee gegen die Revolution 1848. 267 Die Abgeordneten Prato und Bilinski überbrachten Jellacic ein ministerielles Schreiben, in welchem gegen dessen eigenmächtiges Eindringen auf österreichisches Gebiet — wodurch dasselbe zum Schauplatz eines ungarisch- kroatischen Krieges gemacht werde — energisch Verwahrung eingelegt und der Banus aufgefordert wurde, sich dem Befehl des österreichischen Ministeriums zu unterordnen. Hierauf antwortete Jellacic in einem Schreiben aus seinem Hauptquartier Kothneusiedl unter anderem kurz und bündig: „Ich bin Staatsdiener und Soldat. Als Stäatsdiener bin ich verpflichtet, nach meinen Kräften der Anarchie nach Möglichkeit zu steuern, als Militär an der Spitze meiner Truppen gibt mir der Donner der Geschütze die Marschdirektion. Von ungarischen Truppen werde ich nicht verfolgt; wenn sie aber k. k. Truppen auf österreichischem Gebiet angreifen sollten, werde ich Gewalt mit Gewalt zu vertreiben wissen.” „Auf österreichischem Grund und Boden kenne ich keine kroatischen und ungarischen, sondern bloß k. k. Truppen, denen anzugehören die Meinigen die Ehre haben1).” Auch der provisorische Oberkommandant der Nationalgarde, Wenzel Messenhauser, welchem die Leitung der Verteidigung Wiens anvertraut worden war, hatte sich in einem langatmigen, schwülstigen Schreiben an Jellacic gewendet, worin er Aufklärung über dessen Absichten verlangte. Die Antwort des Banus darauf, welche dem Überbringer dieses Schreibens mündlich erteilt wurde, war militärisch kurz und abweisend. Messenhauser hatte am 14. Oktober seinen Generalstab aus folgenden Personen zusammengesetzt: Als dessen Stellvertreter fungierten der Kommandant des Bürgerregiments, Schaumburg, der Chef des III. Bezirkes (Kärntnerviertels), Nationalgardehauptmann Thurn und der Kommandant der akademischen Legion, Aigner. Chef des Generalstabes war Major Haug, Vorstand der Hauptadjutantur Hauptmann Schneider, der Feldadjutantur Hauptmann Penner von Penneberg, Direktor des Artillerie- und Befestigungswesens *) Dun der, 259.