Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Major Semek: Repressaliengefechte gegen die Montenegriner im Jahre 1838

Repressaliengefeclite gegen die Montenegriner. 175 Dennoch hoffte Österreich noch immer, auf friedlichem Wege zum Ziele zu gelangen. Als 1858 der angeordnete stabile Kataster in seinen Arbeiten gegen das südliche Dalmatien vorrückte, versuchte es, auf die angeführten Doku­mente gestützt, neue Verhandlungen. Zu Beginn derselben wurden, wie Hauptmann Oreskovichx) sagt, den Mitgliedern der Kommission „Sanftmut, Geduld und weise Nachgiebigkeit” zur ersten Pflicht gemacht. Alle Streitigkeiten und Differenzen sollten auf gütlichem Wege geschlichtet, im billigen Ausgleich der davon berührten Gemeinden geordnet werden. Vergeblich! Schon das erste Zusammentreffen machte die Hoffnung eines endgiltigen Verständnisses illusorisch. Die Montenegriner erschienen in Waffen, verwarfen ohne Prüfung alle geometrischen Aufnahmen, Dokumente und Grenzmarkierungen aus der venetianischen Epoche und gaben klar zu verstehen, daß es der Zweck ihrer Ausbreitung sei, das Meer zu erreichen. Keinen Fußbreit Landes wollten sie abtreten und waren höchstens geneigt, den Besitz strittiger Gründe der Entscheidung eines Zweikampfes anzuvertrauen. Dennoch gelang es, die Grenzlinie teilweise festzustellen, indem jene Flächen, welche keinen Anbau erlaubten, an deren Wahrung also den Montenegrinern wenig gelegen war, ab­gemarkt, die Grenzbestimmungen für die übrigen aber einer späteren Übereinkunft Vorbehalten wurden. In mühevoller Arbeit und stetem Streite wurde endlich Castellastua erreicht. Von hier aus sollte die Feststellung der Grenze Pastrovi mhios erfolgen. Die Bezeichnung Pastrovicchio umfaßte jenen Landstrich* 2), der westlich zwischen S. Stefano und der Kuppe Golivrch beginnt und seiner Längsrichtung nach nördlich von Monte­negro, südlich von der Adria begrenzt wird, im Osten aber an Türkisch-Albanien stößt. Seine Länge beträgt fast zwei geographische Meilen, seine Breite, an der Westgrenze beiläufig 3A Meilen, sinkt *) War früher militärischer Agent in Cettinje. 1838 war er proto­kollführender Adjutant Lilienbergs. (H. H. u. St. A., Faszikel 9, Türkei-Grenzakte : Memoire des Hauptmann Oreskovich.) 2) Bericht des Majors Poschacli er, Kommandanten des 8. Jäger­bataillons (nach Roßbach), vom 12. September 1838. (R. K. M., Registr. 1838, Praes. Nr. 1529 C).

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