Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Major Semek: Repressaliengefechte gegen die Montenegriner im Jahre 1838

176 Sernek. bei Castellastua gegen die montenegrinische Grenze hin, auf 4000 Schritte (Luftlinie) herab; wobei als solche die Planina pastrovicchiana in Betracht gezogen ist, in deren Besitze sich Montenegro, wenn auch nicht de jure, so doch de facto befand. Die Bewohner Pastrovicchios sind Nachkommen jener Kriegsgenossen Venedigs, die als Seefahrer einst mächtig, eine eigene Regierung besaßen und laut venetianischen Gesetzes berechtigt waren, aus den ersten Familien der Republik ihre Frauen zu wählen. Kriege und Kämpfe hatten sie dezimiert, ihren Wohlstand vernichtet. Ihr stolzer kriege­rischer Sinn erstarb in der Armut. Der Besitz dieses Landstriches bot eine schwierige Frage, denn die Planina pastrovicchiana war verhältnismäßig reich sn fruchtbaren Gründen, gehörte mit Recht zu Öster­reich und war für dieses von militärischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Kaum näherte sich die Kommission dem Grenzort Novo- selo, als gegen 1000 Montenegriner über die Grenze stürmten und den Berg Kopaez hart vor Novoselo besetzten. Ver­gebens sandte die Kommission an die Häuptlinge, um sie zu friedlicher Auseinandersetzung einzuladen. Sie weigerten sich zu erscheinen. Erst auf Intervention des Bruders des Vladika folgten sie langsam und widerwillig dem Rufe. Trotzig und zum Kampfe bereit, traten sie der Kommission entgegen. Ungestüm verwarfen auch sie die ihnen vorgelegten Dokumente und leugneten keck ihre eigenhändigen 1835 aus­gestellten Unterschriften. „Montenegriner, ehe ich zugebe, daß ihr die Pastrovicchia planina verliert, soll diese Pistole meinem Leben ein Ende machen!” hatte ihnen vor der Unter­redung Pero, des Vladika Bruder, zugerufen und zur Bekräftigung sich die Pistole an den Hals gesetzt1). Die Häuptlinge wußten sich also nicht nur im Einverständ­nis mit dem Volke, sondern auch, was mehr galt, mit dem Führer desselben, dem Vladika. Hatte letzterer gleich mit größter Bereitwilligkeit und scheinbarem Entgegenkommen der Entsendung der Kommission zugestimmt, so hatte er es ') R. K. M., Registr. 1838, Praes. Nr. 1286 und H. H. u. St. A., Faszikel 9, Tiirkei-Grenzakte.

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