Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)
Hauptmann Just: Das Herzogtum Warschau von seinen Anfängen bis zum Kampf mit Österreich 1809
88 Just. General Dqhrowski und sein Stab blieben ohne Verwendung *); die Infanterie der Legion stand als Besatzung in Danzig und Thom* 2), die Kavallerie aber an der preußischen und russischen Grenze längs des Niemen, der Weichsel und Netze. Alle diese Verschiebungen wurden sukzessive und ohne Hast durchgeführt, um im Lande keine Beunruhigung zu wecken. Poniatowski rechtfertigte in dieser Zeit in glänzender Weise das Vertrauen, welches Davout in ihn gesetzt hatte3). In stiller, unermüdlicher Weise war er bemüht, die Armee zu rüsten und zu verstärken. Artillerie und Train wurden um je eine Kompagnie vermehrt, für die Ergänzung der Vorräte im Warschauer Arsenal gesorgt4 *), das Geschützmaterial in brauchbaren Zustand gesetzt. Von besonderem Vorteil für den Fortgang dieser Arbeiten war es, daß Fürst Poniatowski überaus tüchtige, iähige französische Offiziere, wie die Majore Pierre Bontemps und Jean Mailet6) an die Spitze des Artilleriezeugs- und Geniewesens stellte, die oberste Leitung dieser Zweige aber in die Hand des Obersten Jean Baptiste Pelletier legte. Dieser Mann stand auch in späterer Zeit dem Fürsten als treuer Berater zur Seite. Voll unerschütterlichen Mutes in den größten Gefahren, weitblickenden Sinnes, tatkräftig *) Es geschah, nicht ohne Absicht Davouts, der von General Dqbrowski keine hohe Meinung hatte: „On ne peux pas le taxer d’étre malintentionné, mais il est trés-léger, trés-inconséquent.” (C. d. D., Tom. II, 311, Nr. 524 und Seite 54, Fußnote 2.) 2) Anhang XIV und XVI. 3) C. d. D., Tom. II, 328, Xr. 533: „II est impossible de se mieux conduire et avec plus de dévouement et de loyauté, que ne l’a fait le prince Poniatowski.” In demselben befanden sich 21.000 Infanteriegewehre und 5,000.000 Patronen; für jedes der vorhandenen 243 Geschütze Munition für 750 Schuß. 6) Beide wurden vor Ausbruch des Krieges 1809 zu Oberstleutnants ernannt. Während K olaczkowski dem ersteren in seinen „Erinnerungen”, 58, 59, das Zeugnis völliger Beherrschung aller Zweige des Artüleriewesens, grenzenlosen Mut und edelste Lauterkeit des Charakters zuschreibt, nennt er Mailet einen Egoisten, einen theoretisch wenig gebildeten Offizier, der in Polen nur Karriere und sein Glück machen wollte.