Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)
Hauptmann Just: Das Herzogtum Warschau von seinen Anfängen bis zum Kampf mit Österreich 1809
Das Herzogtum Warschau. 80 und arbeitsam im Frieden, war er berufen, eine große Rolle zu spielen. Seine Nationalität erböbte noch seinen Einfluß; er wußte die Gegensätze und Reibungen zwischen den polnischen Generalen auszugleichen, die gegenseitige Rivalität aber in Schranken zu halten ]). Dieselbe war trotz aller Bemühungen Davouts nicht geschwunden, denn weder Zaj a ezek no eh I) a l) r o w s k i konnten den tiefen Groll und die Enttäuschung verbergen, daß Poniatowski die erste Stelle in der Armee einnahm, die jeder von beiden für sich beanspruchte. Eifersucht herrschte aber auch unter den übrigen Generalen, wie der anbrechende Krieg gar bald bewies. Zaj a. ezek und Da,browski blieben Antipoden* 2); persönliche Neigungen und Absichten traten in den Vordergrund, wenn das allgemeine Interesse des Dienstes harmonisches Zusammenwirken aller Kommandanten erheischte. Von diesem Vorwurf' ist auch der vom Fürsten hochgeschätzte und wohl fähigste der Brigadegenerale, Michael Sokolnicki, nicht freizusprechen. Mit großen Fähigkeiten verband derselbe Mut und kühne Entschlußfassung; er war der Vertreter rücksichtslosen „Drauflosgehens’b *) Jean Baptiste Pelletier (geboren 16. Pebruar 1777, gestorben 1839) war mit 17 Jahren als Sekondleutnant beim 2. Fußartillerieregiment eingetreten, hatte als Hauptmann bei der Bekämpfung des Straßenaufstandes in Paris 1795, als Major 1806 bei der Belagerung von Kolberg und an der Schlacht bei Friedland teilgenommen. Nach Abschluß des Tilsiter Friedens verblieb er im Dienste des Herzogtums und wurde am 4. März 1809 zum Brigadegeneral ernannt. 1812 kommandierte er die Artillerie im Feldzug gegen Bußland und focht bei Waterloo. Unter den Bourbons wieder in den aktiven Dienst eintretend, wurde er 1836 Divisionsgeneral und Generalinspektor der Artillerie. 2) Es war eine alte Gegnerschaft, die zwischen beiden bestand und durch die bereits erwähnte Schrift Dqbrowskis, „Beiträge zur Geschichte der polnischen Bevolution im Jahre 1794”, erhöht worden war. Der in dem Werke über einzelne Generale, darunter auch Zajqczek, ausgesprochene Tadel veranlaßte letzteren, Dabrowski zum Duell herauszufordern. Die in Paris anwesenden Landsleute verhinderten jedoch die Austragung des Zweikampfes und beschleunigten die Abreise Dabrowskis nach Italien, um die Bildung der polnischen Legion nicht zu verzögern. Während des Feldzuges 1809 zeigte sich, daß der alte Groll nicht erloschen sei. Im Kriegsrat gaben beide stets diametral entgegengesetzte Urteile ab und Zajfjczeks Niederlage bei Jedlinsk am 11. Juni wird von manchen Schriftstellern I) q, b r o w s ki zur Last gelegt, der ersterem nicht rechtzeitig zu Hilfe gekommen sei.