Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)

Die Artillerie - Geschicht der Organisation und Entwicklung der k. und k. Feld-Artillerie 1618-1903 - II. Die Feld-Artillerie-Regimenter 1772-1903 - A. Organisation

76 auch das Feuerwerks-Corps um 2 Feld-Compagnien vermehrt, so dass dieses nun deren 12 umfasste1). Der Stand dieser neuen Compagnien war jenem der bisher errichteten gleich. Ihre Bildung geschah in der Weise, dass alle bestehenden Feld- und Landwehr-Artillerie-Compagnien und die Feuerwerks-Compagnien je 5 Mann mit Unter-Officieren dafür abgaben, der Best aber durch Artillerie-, eventuell Infanterie-Becruten und freie Werbung aut' Kriegsdauer ergänzt wurde. Da diese Standesvermehrung der Begimenter auch noch 1849 beibehalten erscheint, so hatte bei der Beorganisation 1850 nebst den Feld- und 2 Depot- Compagnien das 1. Begiment 9, das 2. und 3. 8, das 4. 7, das 5. 2 Landwehr- Compagnien. Es erscheinen somitBegimenter mit 22 bis 29 Compagnien; das 1.Begiment zählte beispielsweise noch im April 1850 einen Soll-Stand von 4443 Mann, der auf 4963 Mann überschritten war. Solche Begimenter übertrafen in der Stärke selbst die ehemaligen Artillerie-Brigaden, welche man 1772 ihrer Schwerfällig­keit wegen abgeschafft hatte. Neben diesen Neuformationen bei der Feld-Artillerie wurde mit Aller­höchster Entschliessung vom 14. Juni 1849* 2 3) auch bei der Garnisons-Artillerie8) eine Vermehrung angeordnet. Die Garnisons-Artillerie, grundsätzlich zur Ver- theidigung der festen Plätze bestimmt, konnte trotz der Unterstützung durch die Feld-Artillerie dieser Aufgabe nicht mehr genügen. Es wurden daher bei derselben, nebst einer Standesvermehrung im allgemeinen, mit August 1849 7 sogenannte Festungs-Compagnien errichtet4) und zwar, analog den neuen Landwehr-Compagnien, aus präsenter Mannschaft der Feld- und bestehenden Landwehr-Compagnien und aus Becruten. Sonach betrugen die Neuerrichtungen in der Artillerie von 1848—1849 im ganzen 57 Feld-Artillerie- und 7 Festungs-Artillerie-Compagnien5 *), der Stand 1850 daher 154 Feld-Artillerie- und 7 Festungs-Compagnien, welchen eine Gesammtzahl von 97 Compagnien vor dem Kriege gegenübersteht. Es bedeutet dies eine Vermehrung um 61 Procent. Dieselbe war hauptsächlich durch die Nothwendigkeit der ausgiebigen Sicherung fester Plätze hervor­gerufen worden. Eine Neuorganisation musste besonders letzterem Umstande Becbnung tragen und darauf bedacht sein, im Frieden die für diesen Zweck nöthige Mannschaft bereitzuhalten, theils um im Ernstfälle geschulte Leute zur Ver­fügung zu haben, theils um Neuaufstellungen in so grosser Ausdehnung zu vermeiden. Es führte dies naturgemäss zur organisatorischen Errichtung eigener, genügend zahlreicher und starker Abtheilungen für den Dienst in den Festungen, wozu die Errichtung der 7 Festungs-Compagnien schon den Weg gezeigt. Die bei den Garnisons-Artillerie-Districten bisher befindliche Artilleriö- Mannschäft, welche in erster Linie für diesen Dienst bestimmt, ihrer geringen Zahl wegen aber gänzlich ungenügend war, wurde dadurch entbehrlich und konnte zu der neu zu schaffenden Festungs-Artillerie eingetheilt werden. Hiedurch konnten dann die Districte gänzlich ihrer Hauptbestimmung, der Aus­führung fachtechnischer Arbeiten, respective dem Verwahrung«- und Ver­waltungsdienste des Materials, zugeführt werden. Ausser der Errichtung einer eigenen Festungs-Artillerie war durch den Krieg aber auch die dringende Nothwendigkeit einer Aenderung in der Gliederung der Feld-Artillerie klar geworden. Vor allem wäre freilich die Vermehrung und dadurch bedingte Standes­verminderung der Begimenter nöthig gewesen; hiefür fehlte es an Geld. Absolut nothwendig und unabweisbar aber erschien die Schaffung einer grösseren Mobilität der Begimenter. Vor 300 Jahren hatte man im Kriegsfälle die Geschütze aus den Zeug­häusern genommen, die Pferde dazu requiriert oder contractlich sichergestellt, x) Bezüglich des Feuerwerks-Corps siehe dieses. 2) Kr. Min. Nr. 4465/M. K. von 1849. 3) Siehe G-arnisons-Artillerie-Districte. *) Kr. Min. Nr. 4465/M. K. von 1849. 5) Hiebei ist das Linzer Landwehr-Bataillon nicht mit gezählt-, heim Feuerwerks­Corps der eigentliche Stand mit 2 Compagnien angenommen.

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