Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)
Die Artillerie - Geschicht der Organisation und Entwicklung der k. und k. Feld-Artillerie 1618-1903 - II. Die Feld-Artillerie-Regimenter 1772-1903 - A. Organisation
die vorhandene Mannschaft zu den Geschützen eingetheilt. Dieses System galt mit allerdings bedeutenden Modificierungen im Grunde auch 1848 noch. Man musste im Mobilisierungsfalle erst die Pferde vom Fuhrwesen heranziehen, die in den Depositorien der verschiedenen Länder befindlichen Geschütze damit bespannen, die nöthige Artillerie-Mannschaft dahin absenden, ehe man an den Ausmarsch denken konnte. Waren die Vorbereitungen hiezu auch schon im Frieden getroffen, die Befehle schon ausgefertigt, so währte es doch eine unverhältnismässig lange Zeit, bis eine solche Artillerie marschbereit war. Ausserdem machte der Artillerist mit seinem Geschütze nur zur Exercierzeit1) die nöthigen Uebungen. Solche Verhältnisse waren unhaltbar. Geschütz und Pferd gehörten in Verwahrung und Stand der Artillerie-Truppe selbst und noch mehr, der Mann musste das Geschütz, das er bediente, kennen und mit ihm vertraut sein. Dazu war also weiter nothwendig, dass die gleichen Geschütze der gleichen Abtheilung in Krieg und Frieden beigegeben waren. Dies bedingte aber auch eine andere Organisation der Unter-Abtheilungen im ßegimente, denn die bisherige Eintheilung widersprach einer solchen Forderung. Die bestehenden Unter-Abtheilungen (Compagnien) hatten nämlich auf die Geschützbedienung, die Formation nach Batterien keinen Bezug. Das .Regiment war nur das Beservoir, aus welchem man ohne Wahl die nöthigen Leute für die Geschützbedienung nahm, die Compagnie nur eine mit Rücksicht auf Disciplin und Verrechnung für den Frieden gebildete Unter-Abtheilung. Die Beleuchtung der Verhältnisse von 1848 und 1849 stellt dies klar. Bei Ausbruch und im Verlaufe des Krieges wurden die nöthigen Batterien, und zwar Sechspfünder-, Zwölfpfünder- und Cavalleria-Batterien formiert. Jedem Begimente wurde eine Anzahl von Batterien zur Bemannung zugewiesen2). Die Art und Weise, wie die Mannschaft zu diesen Batterien eingetheilt wurde, war Sache des Regiments. Hiebei zeigt es sich, dass zwischen den Compagnien kein Unterschied gemacht wird, sondern dass sowohl Feld- als Landwehr- und Depot-Compagnien bei den Batterien, ja auch Leute verschiedener Compagnien bei einer Batterie eingetheilt werden. Ein Theil der Compagnien jedes Begiments blieb also vollständig, der andere partiell zur Verwendung für andere Zwecke, als zum Munitions- Transport, zu den Reserven, für Besatzungen an wichtigen Orten, für die Festungen und zu Detachements, reserviert. Es ist begreiflich, dass solche Verhältnisse ein inniges Vertrautsein des Mannes mit dem Geschütze nicht ermöglichten, dass jener lebhafte Zusammenhang zwischen den Leuten einer Batterie einerseits und ihren Führern andererseits, wie er sich im Frieden bilden, im Felde bewähren muss, bei den geschilderten Umständen ausgeschlossen war. Durch Massregeln, wie die Ausscheidung einer eigenen Festungs-Artillerie und die Zusammensetzung der Regimenter aus Batterien (statt Compagnien), die nur zur Bedienung der Geschütze des Begiments bestimmt waren, erreichte man auch theilweise den weiteren Zweck, die Stärke der Regimenter zu verringern. Es handelte sich nur noch darum, die Artillerie von dem Fuhrwesen Unabhängig zu machen, ihr eigene Bespannungen zu geben. Hiedurch war eine raschere Mobilisierung, eine folgerichtigere und intensivere Ausbildung in Aussicht gestellt. Die Batterie konnte nur auf diese Weise ein selbständiger einheitlicher Körper werden. War auch bis jetzt der Commandant des Fuhrwesens dem Commandanten der Artillerie in den meisten Fragen unterstellt, so mussten doch aus den divergierenden Ansichten und Specialkenntnissen Differenzen entstehen, welche auf die volle Ausnützung der Waffe hemmend wirkten. Darum trat schon seit 1778 seitens der Artillerie die Forderung zu Tage, ihr eine eigene Bespannung zu geben. Verschiedene Umstände, darunter vorzugsweise der Geldmangel, hatten dies bisher verhindert und hatte man sich damit 1.) Einmal im Jahre einige Wochen lang. a) So erscheinen vom 4. ßegimente im October 1869 Mannschaften bei den Cavallerie- Batterien 2, 4, 5, 6, 7, 9, 10, 25, bei den Sechspfünder-Batterien 8, 4, 5. 6. 7, 8, 9, 10, 17, 42, 48, 44 und den Zwölfpfünder-Batterien 2, 3, 4, 5, 8, 14; dann bei der halben Zwölfpfünder- Batterie in ßadkersburg und der halben slavonischen Cavallerie-Batterie Nr. 2.