Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)
Die Artillerie - Geschicht der Organisation und Entwicklung der k. und k. Feld-Artillerie 1618-1903 - I. Das Feld-Artillerie-Corps (Haupt-Corps) 1618-1772 - A. Organisation und Entwicklung
50 Für den Feldzug 1717 wurde die Artillerie folgendem]assen zusammen- gestellt: 16 zweipfündige Geschwind-Stücke, 44 dreipfündige Regiments-Stücke, 20 sechspfiindige Falkaunen, 4 aclitpfündige Haubitzen, 6 zehnpfündige Haubitzen. In Summa 90 Feld-Geschütze, welchen 520 Mann, 116 Munitionswagen beigegeben waren. Im Banate standen bei den dort sich sammelnden Truppen 16 Feld- Geschütze, in Siebenbürgen deren 12. Durch theilweise Heranziehung derselben wurde die Armee Eugens auf 106 Feld-Geschütze, bei einer Stärke von 83 Bataillonen, 70 Grenadier-Compagnien und 232 Escadronen, gebracht. Die schwere Artillerie zur Belagerung von Belgrad wurde gleichfalls in Staffeln dahin abgesendet, deren letzte erst am 10. Juli eintraf. Sie bestand aus 70 halben Karthaunen, 30 zwölfpfündigen Quartierschlangen, 8 hundert- pfündigen, 20 sechzigpfündigen, 22 dreissigpfündigen, 50 zehnpfündigen Mörsern und war aus den Zeughäusern Wien, Ofen, Ésseg, Szegedin und Peterwardein zudisponiert. Als Artillerie-Chef fungierte FML. Berzetti. In der Schlacht bei Belgrad waren von der Artillerie 30 Regiments-Geschütze und einige Falkaunen an den Flügeln der Infanterie; bei der Cavallerie 4 am rechten Flügel, 3 am linken Flügel eingetheilt. Die Feld-Artillerie verlor in dieser Schlacht an Todten und Verwundeten 1 Hauptmann, 4 Unterofficiere, 36 Mann; das Zeugamt 12 Mann. An kleineren Unternehmungen war die Artillerie 1717 noch betheiligt: vor Novi mit 4 Feld-Geschützen, 4 Mörsern; bei der Expedition nach Bosnien mit 4 Feld-Geschützen. Ein Theil der Artillerie blieb 1717/18 in Belgrad. Der Haupttheil kam in die Winterquartiere nach Böhmen. Die Dotierung der Armee für das Jahr 1718 blieb jener des Vorjahres fast gleich, nur wurden statt der zweipfündigen Geschwind-Stücke 8 zu drei, statt der Haubitzen zu acht und zehn Pfund, 10 solche zu zwölf Pfund bestimmt. In Summa hatte die Armee 80 Geschütze, 80 Munitionswagen, 50 Munitionskarren und 32 Feuerwerkswagen. Als Commandant der Artillerie erscheint nun GFWM. Steinberg, nachdem Berzetti mit Beginn 1718 gestorben war. An Personal werden 24 Officiere, 762 Mann, 175 vom Zeugamte, 346 Mann der Ross-Partei mit 641 Pferden und 656 Ochsen angeführt. Im Banate standen 6 Regiments-Geschütze und 5 Wagen. Die Stärke der Belagerungs-Artillerie war mit 70 halben Karthaunen, 30 zwölfpfündigen, 6 hundertpfündigen, 20 sechzigpfündigen, 20 dreissigpfündigen, 50 zehnpfündigen Mörsern normiert. In Karlstadt wurde ebenfalls eine Belagerungs-Artillerie aufgestellt. Die Artillerie kam in diesem Jahre nicht in Action, sondern wurde zum Theile nach Italien gesendet, zum grössten Theil aber nach dem Friedensschluss abgerüstet und die Mannschaft nach Böhmen dislociert. 1718—1720. Die Kämpfe, welche sich um diese Zeit in Sicilien abspielten, machten eine Vermehrung der in Italien stehenden Truppen nöthig. Die Artillerie hiezu wurde aus Ungarn genommen. Nachdem vorerst 6 dreipfündige Feld-Stücke mit 11 Munitionskarren, ferner 2 sechsunddreissigpfündige, 10 vier- undzwanzigpfündige Geschütze nebst 6 Mörsern nach Sicilien abgegangen waren, wurden mit dem Corps des FML. Bonneval noch nachgesendet: 6 halbe Karthaunen, 10 zwölfpfiindige Stücke, 6 Falkaunen, 8 dreipfündige Regiments-Stücke, 6 sechzigpfündige und 4 dreissigpfündige Mörser. Zur Expedition nach Lipara waren 2 siebenundzwanzigpfündige, 1 fünf- undzwanzigpfündiges Stück und 2 Mörser bestimmt. Commandant der Artillerie in Italien war Obrist Molkh. 1731'—1732. Der Expedition auf Corsica unter Obrist Wachtendonk waren zum Schlüsse 12 Geschütze beigegeben. 1733—1735. Die Stärke der Artillerie, welche zu dieser Zeit an den Kämpfen in Italien betlieiligt war, ist nicht ersichtlich: an Personal standen 568 Mann im Felde. Ebenso lassen sich die Stärkeverhältnisse der Artillerie in dem Kampfe wegen der Thronfolge in Polen nicht bestimmen. Nach dem Kriege mit den Türken war die kaiserliche Artillerie wieder auf verminderten Fuss gesetzt worden. Sie bestand damals aus 1 General als Commandantén, 1 Obrist, 3 Obristlieutenants, 1 Ober-Kriegs-Commissarius,