Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)

Die Artillerie - Geschicht der Organisation und Entwicklung der k. und k. Feld-Artillerie 1618-1903 - I. Das Feld-Artillerie-Corps (Haupt-Corps) 1618-1772 - A. Organisation und Entwicklung

46 An Geschossen, welche nun zur Verwendung kamen, werden Stück­kugeln, Kettenkugeln, Granaten, Kartätschen, für die Kammer-Geschütze Spreng-, Brand-, Leuchtkugeln genannt. Das Pulver blieb jenem der früheren Periode gleich. Man unterschied Pulver für grobes, mittleres und Hand-Geschütz. Das Pürschpulver diente für die Handfeuerwaffen und Feuerwerkskörper, das Musketenpulver aber auch für die Regiments-Stücke. Das für die Artillerie jährlich bemessene Deputat blieb in der Höhe von 60.000 Gulden. Freilich war dies nur am Papiere, denn von 1658—1668 wurden 1,067.714 Gulden verausgabt. Die Beistellung der Geschütze und sonstigenArtillerie-Bedürfnisse erfolgte wie stets aus den Zeughäusern, an die auch jetzt noch grundsätzlich nach jedem Feldzuge alles Artillerie-Material abgeführt werden musste. Ein Befehl, der allerdings nach 1660 fast nie mehr durchgeführt wurde, indem alles Material zur sofortigen Bereitstellung, beim Kriege gegen die Türken haupt­sächlich nach Raab und Komorn, bei den Kämpfen im Reiche in die Zeughäuser daselbst abgeführt wurde. Die Zeughäuser erhielten Rohmaterial, Geschosse etc. von Privat- Contrahenten. So lieferte Freiherr von Inzaghi 1669, Eisen, Schanzzeug, Stahl, Kugeln, Ketten, Joanelli, Kupfer (von 1656—1672 lieferte er 2928 Centner). Auch das Neusohler Bergwerk hatte jährlich ein Deputat von 200 Centner Kupfer zu liefern. Schliesslich erhielt der Jude Oppenheimer einen Theil der Artillerie- Lieferungen an Pulver, Bomben und Schanzzeug. Als Commandant der Artillerie galt noch stets der Feldzeugmeister, doch bezog sich seine Thätigkeit nur mehr auf die Handhabung der Justiz in dieser Waffe. Eigentlicher Vertreter der Artillerie blieb der Obrist, der für die Ausrüstung, Dotierung derselben Vorsorge traf, diesbezügliche Vorschläge machte. Wiederholt gieng, wie früher, der Obrist nicht selbst mit ins Feld, seine Obliegenheiten fielen dann an den Obristlieutenant. Der Artillerie hatte, solange sie mit der Armee vereinigt war, nur der Feldherr und zwar im Wege des Feldzeugmeisters, wo dieser gegenwärtig war, sonst direkt zu befehlen. Obwohl bei Belagerungen der Artillerie ihre Positionen von den leitenden Ingenieuren zugewiesen wurden, so sind diese auch um diese Zeit nicht bei der Artillerie ausgewiesen, sondern werden wie vor beim Generalstabe geführt. 1690 waren in Nieder-Ungarn allein 19 Ingenieure. Zur Bespannung der Artillerie waren auch in dieser Periode grund­sätzlich Pferde gefordert, wo Ochsenbespannungen erschienen, war deren Gliederung folgende: Für 720 Zugochsen wurden 1 Ober-Wagenmeister, 1 Wagenmeister-Lieutenant, 8 Wagenmeister, 200 Ochsenknechte gerechnet. Die um 1672 bei der Artillerie eingeführten, zweiräderigen Karren wurden mit einem Pferde bespannt, konnten aber auch von der Mannschaft fortgebracht werden. Eine taktische Gliederung innerhalb der Artillerie fand nicht statt. Im Kampfe wurden die Geschütze derart verwendet, dass die leichteren oder Regiments-Stücke in der Linie der Infanterie ihre Aufstellung fanden und zwar an beiden Flügeln oder vor der Front; die schwereren wurden meist zu zwei Batterien vereinigt. Das Feld-Geschütz-Material theilte sich in die leichteren — die Regi­ments-Stücke — und die schweren Geschütze. Erstere hatten ein Caliber von drei Pfund Eisen. Letztere bestanden aus verschiedenen Calibem, als halben Karthaunen, dann Falkaunen, Quartier­schlangen und Falkonetten. Dem Material nach waren die Geschütze aus Bronze, deren Legierung aus 100 Theilen Plattenkupfer, 11 bis 12 Theilen Schlackenwalder Zinn und 6 Theilen Messing bestand, ferner aus Gusseisen, Schmiedeisen, selten aus Blei oder Holz (meist nur Mörser) erzeugt, doch waren die metallenen oder Bronze-Geschütze weitaus bevorzugt. Die Geschütze ruhten beim Gebrauche in den Lafetten, zur Ueber- führung dienten Sattelwägen.

Next

/
Thumbnails
Contents