Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)

Die Artillerie - Geschicht der Organisation und Entwicklung der k. und k. Feld-Artillerie 1618-1903 - I. Das Feld-Artillerie-Corps (Haupt-Corps) 1618-1772 - A. Organisation und Entwicklung

47 1700-1756. 1. Organisation der Artillerie. Erst im Jahre 1701 machten neue Kriegsereignisse die Aufstellung einer Artillerie und zwar bis 1735 wieder nothwendig. Dieselbe geschah allerdings in der bisherigen Weise, doch trat bezüglich des Calculs für die Aufstellung, ferner bezüglich der Dauer, für welche sie er­folgte, eine durchgreifende Aenderung ein, die bis zur Neuorganisation durch Liechtenstein aufrecht blieb. Bis nun wurde die Artillerie principiell zum Schlüsse jedes Feldzugsjahres abgerüstet. Während die Begimenter zu Pferd und jene der Infanterie, als solche in ihrer Verfassung bestehen blieben, meist auch nach Möglichkeit räumlich für den nächstjährigen Feldzug bereitgestellt wurden, wurde die Artillerie insoferne aufgelöst, als die Geschütze und Munition in die Zeug­häuser abgeführt wurden, das Personal aber nach Böhmen in Winterquartiere kam. Mit Beginn jedes Feldzuges war man daher genöthigt, eine neue Auf­stellung oder mindestens Zusammenstellung der Artillerie durchzuführen. Da man ausserdem die Zahl der Geschütze und des Personals nach dem jeweilig für das betreifende Jahr vorbedachten Zweck, nicht aber für alle im Wechsel des Krieges eventuell sich ergebenden Möglichkeiten bestimmte, so ist es be­greiflich, dass die Stärke der aufzustellenden Artillerie selten der im Vorjahre im Felde gestandenen gleichblieb. Die Artillerie war daher, zumal sie keinen organisatorisch festgesetzten Stand hatte, jedes Jahr als eine Neuformation zu betrachten und musste daher auch jahrgangsweise als solche behandelt werden. Es musste in der Darstellung ihrer Geschichte jahrgangsweise die Stärke und Zusammensetzung, in welcher sie aufgestellt wurde, angeführt werden. Mit Beginn der Eugenischen Periode und zumal mit dem Jahre 1700 tritt hierin eine wesentliche Aenderung ein. Die Dotierung der Armee erfolgt nicht mehr für ein Jahr, sondern für den ganzen Feldzug. Die Artillerie wird vor Beendigung desselben nicht mehr aufgelöst, sondern bleibt in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung bei der Armee bestehen. Ob die Gründe hiefür in der Erkenntnis liegen, dass es nöthig sei, die Artillerie als Corps aufzufassen, zu dem Geschütz und Personal in gleicher Weise zusammengehören, wie Beiter und Pferd, oder ob die Schwerfälligkeit, welche dem bisherigen Gebrauch anhaftete oder endlich die durch den neuen Gegner geänderte Art der Kriegführung, bei welchen ein Kampf auch im Winter nicht ausgeschlossen war, es verursachte, bleibt hier Nebensache. Es wird also statt der bisherigen Angabe der jahrgangsweisen Auf­stellung, im folgenden genügen, die Stärke und Zusammensetzung der Artillerie für die verschiedenen Kriege oder Kriegsschauplätze anzuführen. Wo im Verlaufe des Feldzuges eine bedeutende Aenderung, Verminderung oder Ver­mehrung eintritt, so 1709 in Italien, wird dieselbe speziell angegeben werden. Die Kriegsschauplätze in der Zeit bis 1713 waren Italien, Deutschland und die Niederlande, dann Ungarn und vorübergehend auch Bayern. Beim Beginn des Feldzuges 1701 ’) wurde mit der Ausrüstung der Armee auch die Formierung und Completierung der Artillerie in Angriff genommen. Für dieselbe sollten in Bereitschaft gestellt werden: 58 dreipfündige Stücke, 6 sechspfündige Falkaunen, 6 zweipfündige geschwindschiessende Feld-Stücke. Letztere waren, wie es scheint, eine Erfindung des Altfeuerwerkers Johann Georg Trompeter2) und wurden hier das erstemal erprobt. Um die Bedürfnisse zu charakterisieren, welche für diese Artillerie an Munition und sonstiger Ausrüstung nöthig gehalten wurden, mögen folgende Daten dienen. Für die Geschwind-Stücke waren bestimmt 300 Stückkugeln, für die anderen Geschütze 2900 Stück dreipfündige Stückkugeln, 300 sechspfündige Falkaunenkugeln, 696 Stück dreipfündige und 72 sechspfündige Trauben­kartätschen, ferner wurden mitgeführt 2 metallene Petarden, 70 Centner !) Die Daten über die Artillerie-Ausrüstung der Eugenischen Periode sind dem Werke „Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen”, lierausgegeben von der Direction des k. und k. Kriegs-Archivs, entnommen. 2) Dolleczek, 202.

Next

/
Thumbnails
Contents