Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)

Die Artillerie - Geschicht der Organisation und Entwicklung der k. und k. Feld-Artillerie 1618-1903 - I. Das Feld-Artillerie-Corps (Haupt-Corps) 1618-1772 - A. Organisation und Entwicklung

39 36 Stücke und zwar 18 DreipfÜnder, 12 Falkaunen zu 6 Pfund, 6 zwölf- pfundige Quartierschlangen und 2 hundertpfündige Steinmörser. Auch in diesem Jahre "wurde der Entschluss, die Artillerie für den ganzen Bedarf aufzurichten, zwar gefasst, aber nicht durchgeführt. 1668 blieb die Artillerie in ihren Friedens-Garnisonen in Böhmen und zwar zu Krumau, Wittingau, Budweis, Neuhaus und Tabor. Obrist Tensini wurde seines Commandos enthoben und für ihn Obrist­lieutenant Gigler zum Commandanten der Artillerie ernannt. Der Friedens-Stand der Artillerie wurde mit 1 Obrist, 1 Obristlieutenant, 1 Ober- Commissar, 10 Stückhauptleuten, 1 Zeugwart, 1 Ober-Feuerwerker, 4 Petardierern, 1 Minier-Lieutenant, 1 Bruckmeister, 11 Feuerwerkern, 1 Minier- Feldwebel, 2 Minier-Corporalen, 10 Bücksenmeister-Corporalen, 152 Büchsen­meistern bestimmt'). 1669 erfolgte keine Neuerung, erst 1670 wurde für Ungarn eine kleine Artillerie aufgestellt, welche aus 12 Feld-Stücken und 2 Pollern bestand und vom Stückhauptmann Steger befehligt wurde. Gleichzeitig wurde nach längerem Intervalle Capliers zum Feldzeug­meister ernannt. Der grösste Theil der Artillerie-Mannschaft blieb, soweit er nicht zur Dotierung der festen Plätze verwendet, in Böhmen, wo 7 Corporate und 99 Büchsenmeister untergebracht waren. 1672. Die in diesem Jahre aufgestellte Artillerie2) war für Ungarn be­stimmt und betrug nur 6 dreipfündige, 4 zwölfpfündige Stücke, 1 hundert- pfündigen und 2 sechzigpfündige Mörser Für jedes Geschütz waren 100 Ge­schosse normiert. Ferner wurden 2000 Stück Schanzzeug, 2000 Handgranaten, 330 Centner Pulver, 50 Centner Blei, 60 Centner Lunten und 6 Petarden der Artillerie beigegeben 3). 1673—1676. Der beginnende Krieg gegen Frankreich nöthigte zu einer grösseren Artillerie-Entwicklung im Reiche. Schon 1672 war ein Theil der dahin designierten Artillerie mobil gemacht und über Eger in Marsch gesetzt worden. Es waren dies 12 Regiments-Stücke und 2 Polier zu 100 Pfund mit 8 Munitions­wagen, 4 Kugelwagen und 2 Petarden, unter Commando des Obristlieutenants Scheffer. Mit dem 1673 erfolgten Nachschub bestand die kaiserliche Artillerie im Reiche aus 6 dreipfündigen Stücken kurzer Gattung, 12 dreipfündigen Stücken längerer Gattung, 4 Haubitzen, 6 Falkaunen, 4 Quartierschlangen, 2 Pollern zu 100 Pfund, 2 Pollern zu 60 Pfund. Hiezu 4000 Stück Schanzzeug, 2000 Handgranaten, 59 Munitionswagen, 12 Feuerwerkswagen, 8 Kugelwagen. Hiefür mussten 80 Büchsenmeister neugeworben werden4). Commandant dieser Artillerie war Obristlieutenant Gigler. Eine kleine Artillerie, welche aber in den Acten nicht specificiert ist, wurde nach Ungarn gesendet. Die demVecchia anbefohlene Werbung von Minierem und Granatierern hatte wenig Erfolg, dagegen führte Leslie bei seinem Regimente 200 Minierer und Granatierer. So viel sich aus den Acten entnehmen lässt, dürfte die Dotierung der kaiser­lichen Artillerie in den folgenden Jahren annähernd die gleiche gewesen sein, doch erfuhr sie im Reiche immerhin eine Unterstützung durch die Artillerie der Auxiliarvölker. Besonders die Belagerungs-Artillerie wurde der Schwierig­keit des Transportes wegen, hauptsächlich von den Reichsständen beigestellt. Als Feldzeugmeister fungierten im Reiche der Markgraf von Baden, dann die Generale Arch und Pio. Artillerie-Commandant wurde nach dem Abgänge Giglers, 1675 der bisherige Obristlieutenant Scheffer. 1679 wurde die Artillerie zum grössten Theile wieder abgedankt und blieb in diesem Verhältnisse bis zum Jahre 1683. 0 K. A., F. A. 1668, XIII. 8. 2) K. A., F. A. 1672, X, 77. 3) Bemerkenswert ist, dass der Artillerie in diesem Jahre zweiräderige Karren mit einem Pferde beigegeben wurden, um im Gefechte Schanzzeug und Munition zuzufiihren (K. A., F. A. 1672. X, 97.) *) K. A., F. A. 1673, XIII, 72.

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