Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)
Die Artillerie - Geschicht der Organisation und Entwicklung der k. und k. Feld-Artillerie 1618-1903 - I. Das Feld-Artillerie-Corps (Haupt-Corps) 1618-1772 - A. Organisation und Entwicklung
40 1683 war die Artillerie der Haupt-Armee mit 56 Geschützen ') ausgerüstet. In der Entsatzsclilaclit von Wien wirkten auf Seite des Entsatzheeres 168 Geschütze, von denen allerdings nur ein Theil kaiserlich war. Auf den Wällen Wiens standen 254 Stücke und zwar 20 ganze, 4 Drei- viertel-Karthaunen, 4 doppelte Schlangen, 1 dreissigpfündiges Stück, 28 halbe Karthaunen, 1 vierundzwanzigpfündiges kurzes Stück, 6 ganze Schlangen, 35 Yiertel-Karthaunen, 2 halbe Schlangen, 20 Falkaunen, 3 sechspfündige Stücke, 2 einpfündige Schlängel, 22 lange Feldschlängel, 57 Regiments-Stücke, 2 dreipfündige Kanonen, 2 Regiments-Stückel, 8 Doppelfalken, 12 Haubitzen. An Mörsern 36 bronzene mit Calibern zu 200, 150, 100, 60, 28 und 26 Pfund, dann 7 eiserne mit Calibem zu 28 und 15 Pfund 1 2). Neben der Artillerie der Haupt-Armee wurde eine solche für Siebenbürgen errichtet, die aus den Beständen der dortigen Zeughäuser 6 dreipfündige Stücke erhielt und unter dem Commando eines Stückhauptmannes stand. Obrist Börner war erst Commandant der Artillerie bei der Haupt-Armee, dann jener in Wien. Nach dem Entsätze von Wien wurden zur Belagerung von Gran3) 20 Karthaunen, 8 Quartierschlangen und 12 grössere Mörser verwendet, welche nach Eroberung dieses Platzes, nach Leopoldstadt, Raab und Komorn abgeführt wurden. 1684. Die Ausrüstung der Artillerie 4 *) für diesen Feldzug bestand aus 70 Geschützen und zwar aus 50 Dreipfündern, 6 Haubitzen, 8 Falkaunen und 6 Quartierschlangen, während die Belagerungs-Artillerie mit 35 Stücken s), bestehend aus Dreiviertel-, halben undViertel-Karthaunen, einpfündigenFalkaunen, dann 18 Pollern, festgesetzt wurde. Da aber gleichzeitig bestimmt worden war, dass die im Feldzuge noch weiter nöthigen Stücke aus den Zeughäusern an der Donau angefordert werden können6), so wurde obige Zahl von jener der wirklich in Verwendung gestandenen Stücke weit überschritten. Eine Total-Uebersicht über die in diesem Feldzuge verwendeten schweren Geschütze, welche nach Komorn, Raab, Gran gebracht wurden, ergibt folgende Detaillierung 7). Es kamen zur Verwendung: 3 Karthaunen, 4 Dreiviertel-Karthaunen, 1 dreissigpfündiges Stück, 60 Regiments-Stücke, 6 Mörser zu 60 Pfund, 7 zu 100 Pfund, 2 zu 150 Pfund, 2 zu 200 Pfund, 14 Quartierschlangen, 27 halbe Karthaunen, 15 Falkaunen, 4 Haubitzen, 1 langes Stück, 1 zwanzigpfündiges Stück. In diesem Feldzuge erscheint zuerst ein Ober-Bruckhauptmann über alles Brücken-Material normiert. 1685 war die Zahl der Geschütze, welche der Feld-Artillerie beigegeben wurden, nahezu die gleiche wie 1685, nämlich8) 51 Regiments-Geschütze 4 Haubitzen, 6 Falkaunen und 6 Quartierschlangen, 1 Mörser zu 60 und 1 zu 100 Pfund, ferner 98 Munitionswagen, 14 Feuerwerkswagen, 16 Kugelwagen und 16 Munitionskarren. Hiefür in Summa 1272 Pferde. Mit Artillerie dotiert wurden die Haupt-Armee, die Corps Caprara und Schulz in Ober-Ungarn und das Corps Leslie in Croatien. Zum Entsätze Grans durch Lothringen wurden 60 Geschütze mitgeführt ; 43 Geschütze, 19 Mörser waren während dieser Zeit bei der Belagerung Neuhäusels. Aus dem Vergleiche der vorhandenen mit der normierten Belagerungs- Artillerie ergibt sich, dass die fixierte Höhe der letzteren durch fortwährende Nachschübe überschritten wurde. Diese steten Nachschübe fanden aber auch bei der eigentlichen Feld-Artillerie statt, daher es unmöglich ist, die Zahl der im Feldzuge verwendeten Geschütze stets richtig anzugeben. Man muss sich 1) Nach Dolle ezek, 244, hatte die Gesammt-Arfcillerie 70 (72) Geschütze. 2) Bei der Verteidigung Wiens fiel Stück- und Brackhauptmann Boland. 3) K. A., F. A. 1683, VI, 24. 4) K. A., F. A. 1684, VI, 1. b) Dolle ezek gibt nur 30 an. (K. A., F. A. 1684. VI dann II, 5 und 1683, VIII, 13.) «) K. A., F. A. 1684, VI. 1. 7) K. A., F. A. 1684, XIII, 12. 8) K A., F A. 1685, VIII, 13.