Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)

Die Artillerie - Organisation und Entwicklung der Handlanger-Truppen - I. Feld-Artillerie-Füsilier-Bataillon 1758-1772

I. Feld-Artillerie-Füsilier-Bataillon (Feld-Artillerie- Regiment) 1758—1772. Die Artillerie-Truppe erreichte nie jene Stärke, welche zur Bedienung der Geschütze im Felde nothwendig war. Es musste daher, um einerseits die Completierung der Geschütz-Bedienung zu sichern, andererseits zu verhüten, dass durch Vermehrung des Standes der Artillerie-Truppe dem Staatsschätze neue Opfer aufgebürdet werden, auf entsprechende Aushilfe durch andere Körper gedacht werden. Im dreissigjäbrigen Kriege und auch nach demselben geschah dies dadurch, dass man eigene Handlanger-Compagnien für den Feldzug warb, die nach demselben wieder entlassen wurden. Später zog man die Infanterie- Regimenter und zwar sowohl zur Bedienung der ihnen selbst zugewiesenen, als jener Geschütze heran, welche nicht bei ihnen eingetheilt waren. In diesem Falle wurden auch die zur Aufsicht nöthigen Offleiere und Unterofficiere von der Infanterie beigestellt *). Es ist leicht erklärlich, dass der Infanterie hiedurch einerseits eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Leuten verloren gieng und andererseits die Artillerie häufig, trotz des bereitwilligsten Entgegenkommens der Infanterie-Regiments- Commandanten, für den Handlangerdienst ungeeignete und ungeschulte Leute erhielt. Diese Nachtheile führten 1758 zur Errichtung einer eigenen Handlanger- Truppe, welche wohl für sich selbständig war, ihrer Bestimmung nach jedoch in den Rahmen der Artillerie eingefügt und dem Commandanten derselben, dem General-Feld-, Land- und Haus-Zeugmeister FM. Fürst Liechtenstein, unterstellt wurde. Diese Truppe erhielt zum Unterschiede von den Artillerie-Brigaden, welche aus Fach-Artilleristen gebildet waren, die Bezeichnung Feld-Artil­lerie-Regiment. Sie wurde in den Stab und 3 Bataillone gegliedert. Der Stab bestand aus 1 Oberst als Commandanten, (eventuell) 1 Oberst­lieutenant, 3 Majoren, 1 Caplan, 1 Regiments-Quartiermeister, 1 Auditor, 1 Regiments-Arzt, 1 Regiments-Chirurg, 3 Wachtmeister-Lieutenants, 1 Pro­viantmeister, 1 Wagnermeister, 9 Unter-Feldscherern, 1 Profoss. Jedes Bataillon gliederte sich in 8 Compagnien, deren jede 1 Haupt­mann commandierte, dem 1 Oberlieutenant, 1 Unterlieutenant beigegeben waren. Ferner gehörten zu einer Compagnie: 1 Feldwebel, 1 Fourier, 8 Corporate, 1 Tambour, 5 Zimmerleute und 120 Gemeine. Ihr Stand betrug also 139 Mann. Der Regiments-Commandant wurde, obwohl das Regiment im April 1758 schon aufgestellt war, erst mit December d. J. ernannt. Im Jahre 1763, nach Beendigung des siebenjährigen Krieges entfiel die Nothwendigkeit, das Regiment in seiner bisherigen Stärke weiter zu erhalten, weshalb es auf ein Bataillon mit 6 Compagnien reduciert wurde. Dieses Bataillon erhielt die Benennung: Feld-Artillerie-Füsilier- Bataillon. Dessen Stab bildeten: der Oberstlieutenant und Bataillons-Com- mandant, 1 Oberstwachtmeister, 1 Caplan, 1 Quartiermeister, 1 Regiments- (Bataillons)-Chirurg, 1 Wachtmeister-Lieutenant, 3 Feldscherer, 1 Profoss. Die Stärke der Compagnien war mit je 73 Köpfen bemessen. Mit der Beförderung des Commandanten, Oberstlieutenant Schroeder, zum Obersten, wurde der Stab 1768 um diese Charge vermehrt, doch war Oberst Schro eder, obwohl er Commandant blieb, nicht beim Bataillon, sondern bei dem Monturs-Depot in Prag zugetheilt. *) M. H. Commission 1792—1796, C. A. Nr. 32. 17*

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