Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 3. (Dritte Folge, 1904)
Eine Denkschrift des FM. Max Freiherrn von Wimpffen aus dem Jahre 1809
Der Feder Wimpffens verdanken wir eine Reihe von überaus wertvollen Aufzeichnungen über die Kämpfe der österreichischen Hauptarmee im Jahre 1809. Sie gewinnen besonders dort an Wert, wo der Verfasser als Augenzeuge spricht und sie werden umso schätzbarer, je weiter wir uns jener Zeit entrücken. Nach den Unfällen bei Regensburg wurde Oberst Max Freiherr von Wimpffen zum Chef des Generalquartier- meister-Stabes ernannt und bald darauf zum Generalmajor befördert. Sein unmittelbarer V orgänger war GM. Josef Prochaska1), welcher seinerseits diesen Posten erst kurz vor Ausbruch der Feindseligkeiten von dem geistvollen General Mayer von Heldensfeld2) übernommen hatte. Auch Wimpffen war es nicht vergönnt längere Zeit in jener exponierten, so mannigfachen Einflüssen ausgesetzten Stellung auszuharren und bald nachdem Erzherzog Karl das Oberkommando in die Hände des Kaisers zurückgelegt hatte, fühlte auch der Generalstabschef der Armee, daß der Augenblick für seinen Rücktritt gekommen sei. Graf Radetzky trat an die Spitze der Geschäfte — in einer Zeitepoche, die mehr denn je Kontinuität erfordert hätte —- der vierte Mann innerhalb weniger Monate. *) Gestorben 1823 als Feldmarschalleutnant; es ist nicht uninteressant, daß dieser General, welchem damals alle Schuld an den Mißerfolgen zu Beginn des Feldzuges beigemessen wurde, im Jahre 1816 erneuert zum Chef des Generalstabes ernannt wurde. 2) Gestorben 1842 als Feldzeugmeister; seit 1805 Chef des General- quartiermeister-Stabes, hatte er am 20. Februar 1809 plötzlich einen Befehl des Kaisers erhalten, nach Brod abzureisen und dort das Festungskommando zu übernehmen.