Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 3. (Dritte Folge, 1904)
Eine Denkschrift des FM. Max Freiherrn von Wimpffen aus dem Jahre 1809
40 Wimp ff en. Bei den kriegerischen Ereignissen selbst ist wohl nur der Name Wimpffen in Betracht zu ziehen, der in den entscheidungsschweren Tagen von Aspern und Wagram die rechte Hand des Generalissimus war. Der 21. und 22. Mai brachte ihm das Kommandeurkreuz des Theresienordens, welches ihm der Erzherzog mit Armeebefehl im Namen des Kaisers verliehen hattex); in der Relation wurde ausdrücklich hervorgehoben, daß die einsichtsvollen Dispositionen und die rastlose Verwendung des Generalquartiermeisters die erste Grundlage des Sieges erkennen lassen. Der Unmut im kaiserlichen Hauptquartier über den Abschluß des Waffenstillstandes von Znaim warf aber seine Schatten auch auf Wimpffen und da vollends das Kommando der Armee durch ein Komitee mehrerer Generale geführt werden sollte, bat dieser verdiente Offizier um seine Enthebung. Das nachfolgende Memoire, in welchem er dem Kaiser seine Absicht unterbreitete, trägt das Datum: Komorn, 12. August 1809 * 2). Interessant sind die in der Einleitung in gedrängter Form wiedergegebenen Phasen der Ereignisse bis zum Eintritte der Waffenruhe; auffallend ist in weiterer Folge die freie, offene, von hohem Pflichtgefühl, aber auch starkem Selbstbewußtsein zeugende Sprache. Unverkennbar leuchtet jedoch aus jeder Zeile die Absicht der Selbstverteidigung hervor, die den Verfasser wohl auch zu falschen Schlüssen und ungewöhnlicher Härte verleitete. In dieser Hinsicht muß auch die Behauptung, Erzherzog Johann habe durch sein verspätetes Erscheinen auf dem Schlachtfelde von Wagram die Niederlage verschuldet, mit erhöhter Vorsicht aufgenommen werden. Oder sollte Napoleon den möglichen Anmarsch dieses Korps gar nicht in seine Berechnung gezogen haben? Sollte er gar keine Vorsorgen getroffen haben, um diesem Stoße wirksam und *) Bei Austerlitz, 2. Dezember 1805, batte sich Wimpffen als Oberst von Gyulai-Infanterie (Nr. 60) das Ritterkreuz erworben. 2) Aus dem fürstlich Liechtensteinschen Archive zu Wien; K. A., Mem. XXYIH, 968.