Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)

Die Landes-Vertheidigung - Die Aufgebote in den Erblanden bis 1809 - II. Die Aufgebote in den einzelnen Provinzen

78 Tm Jahre 1706 bestand zur Leitung der Verth ei digungs-Massregeln eine eigene, aus Civil- und Militärpersonen bestehende „Defensions-Deputation”, welche zu Vertheidigungszwecken Steuern ausschrieb. Die militärische Leitung lag in den Händen des 6PWM. Grafen Monte- cuccoli l). Zu Beginn des Jahres 1707 wurden, nachdem eine directe Bedrohung der Grenzen Mährens nicht stattfand, nur fünf Compagnien Landschafts- Husaren als eine Art ständiger Miliz unterhalten8). Als später das Land abermals von Raubzügen. der Rebellen heimgesucht wurde, leiteten theils die kaiserlichen Generale Montecuccoli und Löwen­burg, theils der bereits mehrfach genannte Gutsbesitzer Graf Podstatzky3) die Anstalten zur Landes-Vertheidigung und nahmen Theile der Aufgebote (insbesondere jene des Brünner, Prerauer und Hradischer Kreises) nicht nur an der Vertheidigung des eigenen Gebiets, sondern mitunter auch an Streif­zügen auf ungarisches Gebiet theil. Die oberwähnten Land-Husaren standen anfangs unter Commando des Obristwachtmeisters Joseph Wenzel Zatloukal und unternahmen Deta­chements derselben mehrfache kleinere Streifzüge nach Ungarn. Als 1710 abermals eine Streifschar der Rebellen von der Waag gegen die March zog, wurden sie von GFWM. Scherzer bei Egbell geschlagen; an dieser Affaire betheiligten sich auch die Land-Husaren. Zu Beginn des österreichischen Erbfolgekrieges, als Mähren durch den Einfall der Preussen in Schlesien bedroht erschien, wurden in erster Linie wieder die Walachen und Hannaken zur Besetzung der Grenz-Pässe auf- geboten4); auch standen einige Abtheilungen Jäger und Schützen im Corps Browne. Durch Abschneidung der Verbindungen und Störung der Verpflegung brachten diese geschickt jedem Gefechte ausweichenden Abtheilungen den Preussen grossen Schaden bei. 1744 wurde die Land-Miliz in ähnlicher Weise wie in Böhmen auf festerer Basis organisiert und hauptsächlich als Besatzungen nach Olmütz und Brünn verlegt. Das ganze Aufgebot sollte 6000 Mann betragen und aus sechs Kreis- und einer Anzahl von Privat-Compagnien bestehen5). Bei jeder Kreis-Compagnie, die eine Stärke von 200 Mann hatte, waren der Hauptmann, der Lieutenant, dann 40 Mann vom Feldwebel abwärts, welch’ letztere angeworben wurden, besoldet6), die übrigen aus den Districten zu stellenden 160 Mann waren im Frieden unbesoldet und erhielten nur den Exercier-Beitrag von 3 Gulden. Unter diesen 160 Mann befanden sich jedoch auch noch 25 Unterofficiere, welche den Halb-Invaliden zu entnehmen waren. Jede Compagnie versammelte sich in der Kreis-Hauptstadt, wo die erwähnten 40 Mann permanent dislociert waren. Die Privat-Compagnien, deren 40 errichtet werden sollten, hatten einen Stand von 120 Mann anzunehmen *) *) Bei einem der Streifzüge, von -welchen das Land heimgesucht wurde, vertheidigten sich die Bürger der Stadt Gaya standhaft. 2) Diese waren laut Landtags-Beschluss der Stände im Frühjahre 1706 aufgestellt worden, und bewilligte Kaiser Joseph I. mit Rescript vom 14. Mai 1706, dass dieselben nie in die regulierte Miliz einbezogen, sondern solange es die Stände für nothwendig befinden, als eine ..Land-Miliz” verbleiben, dann aber entlassen werden sollten. (D’Elvert, a. a. O.. Seite 62.) 3) Commandant der Walachen-Abtheilungen. 4> Dieselben standen unter den Majoren Christoph Freiherrn von Minkwitzburg und Johann Freiherrn von Barthodey. 5) Mähren waren damals in sechs Kreise eingetheilt, und zwar: Iglauer, Znaymer, Brünner, Olmützer, Hradischer und Prerauer Kreis. 6) Hauptmann 25 Gulden, Lieutenant 15 Gulden, Feldwebel 7 Gulden 80 Kreuzer, Corporal 5 Gulden, Tambour 4 Gulden monatlich, die Gefreiten und Gemeinen erhielten 7 Kreuzer täglich. Den Aufwand hiefür hatte die Judenschaft zu tragen. 7) Da das ganze Aufgebot mit 6000 Mann veranschlagt war, 6 Kreis-Compagnien ä 200 Mann nur 1200 Mann ausmachten, so blieben 4800 Mann als Privat-Compagnien zu formieren.

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