Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)

Die Landes-Vertheidigung - Die Aufgebote in den Erblanden bis 1809 - II. Die Aufgebote in den einzelnen Provinzen

77 Commandant des Aufgebotes war der Land-Obrist Friedrich Graf Oppersdorf. Ein Theil desselben zeichnete sich 1679 unter dem Landes- Hauptmann Franz Grafen Kolowrat-Liebsteinsky bei Yertheidigung der Grenz-Pässe aus *). 1679—1680 musste das Aufgebot zur Abwehr der Einfälle der Tököly’schen Scharen einberufen werden; die Leitung der gesammten Landes-Defension war dem kaiserlichen FZM. Rüdiger Grafen Starhemberg übertragen, welcher zur Unterbringung der zur Grenzbewachung bestimmten Posten Wacht- häuser aus Holz, „Tschardaken” für je fünf bis zehn Mann erbauen liess, welche jede mit ein bis zwei Doppelhacken armiert waren. Nachdem in den folgenden Jahren die Anstalten zur Landes-Vertheidigung sich mehr auf die Sicherung des Jablunka-Passes beschränkten, welche dem schlesischen Aufgebot zufiel, wurde in Mähren das Hauptgewicht nur auf die Instandsetzung der festen Plätze, wie Brünn, Olmütz, Hradisch u. a. gelegt2), und wurden auch 1684 an 2000 Schanz-Arbeiter aus dem ganzen Lande zur Reparierung mid Instandsetzung der Befestigungen von Wien auf acht Wochen dahin aufgeboten. Im Jahre 1683 erscheinen wohl 2000 Mann zu Fuss und an 1000 Dragoner aufgeboten und unter das Commando des kaiserlichen Obristen Johann Frei­herrn von Dieppenthal gestellt, welcher mit der Leitung der Landes- Defension betraut war, doch war das Aufgebot nicht imstande, den Ver­heerungen der Scharen Tököly’s Schranken zu setzen. Gegen Ende des Jahres 1703, als Mähren von den Raubzügen der Malcontenten in Ungarn heimgesucht wurde, wobei selbe Skalitz überfielen und besetzten, wurde ein Theil des Aufgebotes (Provinzial-Miliz) unter Major Carl Graf Schaumburg und dem kaiserlichen Obristen Hertweck zum Angriffe auf den genannten Ort versammelt, doch zerstreute sich dieses Auf­gebot bald, ohne etwas Ernstliches unternommen zu haben. Im Frühjahre 1704 unternahm der Commandant von Hradisch, GFWM. Ritschan, mit kaiserlichen und Aufgebots-Trappen einen Zug zur Verproviantierung von Trentschin; später wurde die Leitung der Vertheidigungs- Anstalten dem Obristen Grumbach übertragen, welcher mit einigen tausend Mann des Aufgebotes, einigen Compagnien Landschafts-Infanterie, sowie 400 Landschafts-Dragonern im August den Entsatz von Trentschin bewerk­stelligte 3). 1705 sollten zum Schutze des Landes ausser den an den Pässen auf­gestellten „Walachen-Compagnien” 4), deren eine den Rebellen am Vlar-Passe (im September 1705) eine Schlappe beibrachte, noch 4 bis 5000 Mann des Aufgebotes unter dem Landes-Hauptmann Grafen Oppersdorf versammelt werden, doch zeigten sich die Stände sehr lässig in der Durchführung der vom Hofkriegsrath vorgeschlagenen Defensions-Massregeln. An der abermals von Oberst Grumbach geleiteten Verproviantierung von Trentschin nahmen ausser regulären Truppen nur die Landschafts-Dragoner theil, deren Haltung jedoch zu wünschen üb'rigliess c). Beiläufig 4000 Mann des Aufgebotes unter dem Gutsbesitzer Grafen Podstatzky wurden bei Ungarisch-Brod als Reserve für Obrist Grumbach bereitgehalten 6). Die aufgebotene Mannschaft der bischöflichen Güter bildete eine eigene Com­pagnie unter dem Lehenshofrichter Georg Valerian Freiherrn von Podstatzky. 2) Auch Mürau wurde durch den Olmützer Bischof Grafen Liechtenstein in eine Festung umgewandelt. (D* Elvert, a. o. O. Seite 44.) :5) ,.Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen”. VI. Band, Seite 168. 4) Zum Schutze der Herrschaft Swietlau (im Prerauer Kreise) wurde eine Land- Hayducken- (Walachen-)Compagnie ständig dahin verlegt. Dieselbe wird irrig auch als ,,Sckwiedlische Frei-Compagnie” genannt und nahm ein Theil derselben an der Ver­proviantierung von Trentschin theil. 5) Dieselben wurden später in kaiserliche Dienste übernommen und in das Regi­ment Montecuccoli incorporiert. <:) Das Znaymer Aufgebot hatte sich empört, den Abmarsch an die Grenze ver­weigert und völlige Befreiung von der Leibeigenschaft gefordert. Durch die energischen Massregeln des Hofkriegsrath.es, welcher sofort den GFWM. Ranow mit Theilen der Regi­menter Montecuccoli-Oürassiere und Schlik-Dragoner, dann zwei Bataillone de Wendt dahin entsendete, wurde der Aufruhr im Keime erstickt.

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