Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)

Die Landes-Vertheidigung - Die Aufgebote in den Erblanden bis 1809 - II. Die Aufgebote in den einzelnen Provinzen

67 Die ganze Masse wurde in drei Linien getheilt, von denen die erste die Inwohner am Éhein, die zweite jene an der Bergstrasse, die dritte jene am Gebirge umfasste. Jede Herrschaft hatte für die Verpflegung zu sorgen; in der zweiten Linie waren Magazine und Cassen anzulegen. Zur Organisierung der Abtheilungen, sowie Behebung etwaiger An­stände, wurden eigene Landsturm-Commissäre ernannt. Nach dem am 20. April erfolgten Ueberfall der Franzosen auf Diersheim wurde über Befehl des Landes-Chefs Freiherrn von Summerau, die erste Linie des Landsturmes auf acht Tage einberufen *), wonach eine Ablösung eintreten sollte, doch nahm nur die am raschesten versammelte Ortenauer Miliz an den Kämpfen am 21. und 22. April theil. Im Jahre 1799 nahmen Abtbeilungen des Breisgauer Landsturmes an der von GM. Gyulai geleiteten Vertheidigung der zwischen Burkheim und Eottweil angelegten Verschanzungen theil ; andere wurden ab und zu zur Unterstützung der während der Operationen der Haupt-Armee in der Schweiz den Bewachungsdienst am Rhein versehenden kaiserlichen Truppen ver­wendet. Auch der Ortenauer Landsturm war wiederholt in Thätigkeit getreten. Eine allgemeine Volksbewaffnung fand jedoch im Breisgau erst über Befehl des Erzherzogs Carl vom 18. November statt. Infolge dieser Anordnung wurden über 6000 Mann bewaffnet, welche in 8 Bataillone formiert waren, von denen zwei den Dienst in der Rhein-Strecke Basel-Boden-See, die übrigen abwechselnd jenen in der Strecke Basel-Offen­burg versahen. In Freiburg bildete sich wieder unter der Leitung des Stadtrathes Galluri ein Freiwilligen-Corps, von welchem Abtheilungen mit Auszeichnung in dem Vorposten-Gefecht bei Alt-Breisach fochten. In der zu den schwäbischen Besitzungen gehörenden Landgrafschaft Nellenberg wurde ein Bataillon in der Stärke von 1 Füsilier-, 1 Jäger- und 1 Reserve-Compagnie formiert. Ebenso wurde auch in der Markgrafscbaft Burgau und den übrigen kleineren Herrschaften in Schwaben unter der Leitung des Landes-Präsidenten Freiherrn von Summe rau die Errichtung von Land-Miliz-Abtheilungen in Angriff genommen. Auch im Jahre 1800 hatten die Ortenauer Gelegenheit, an dem Gefechte bei Offenburg am 25. April thätig mitzuwirken, ebenso Theile der früher er­wähnten Breisgauer Milizen an jenem bei St. Georgen-Freiburg 2). Infolge des raschen siegreichen Vordringens der Franzosen gelangten aber die in Schwaben aufgebotenen Abtheilungen nicht mehr zur Verwendung. 6. Salzburg. Dieses Land wurde erst 1805 nach dem Pressburger Frieden mit Oesterreich vereint s) doch hatte schon während des Feldzuges 1805, in ähn­licher Weise wie in Tyrol, das Aufgebot von 23 Schützen- und Landsturm- Compagnien zur Unterstützung der Vertheidigung des Landes durch die kaiserlichen Truppen stattgefunden *') und nahm auch eine derselben (Loferer Schützen) an jener des Strub-Passes theils). x) Aus jedem Orte sollte ein Gerichtsdiener oder anderer Vorgesetzter zur Auf­rech thaltung der Ordnung ausziehen. In Ermanglung von Waffen waren Sensen, Spiesse u. dgl. mitzunelimen.-) Selir anerkennend über die Ausdauer und Opferwilligkeit der Leute dieses Auf­gebotes spricht sich der kaiserliche Rittmeister Graf Almásy, dem 12 Compagnien des­selben unterstellt waren, in einem Berichte an das Armee-Commando, ddto. Dogern, 27. April 1800, aus. (K. A., F. A. 1800, III, 60.) 3) Früher reichsunmittelbares Erzbisthum, wurde dieses Gebiet infolge des Reichs- Deputation s-Beschlusses vom Jahre 1802, nach vorhergegangener Säkularisierung, 1803zum Churfürstenthum erhoben und erhielt in der Person des früheren Grossherzogs von Tos­cana, des Erzherzogs Ferdinand, seinen Regenten. 4) Siehe Anhang Nr. 10. 6) Ein ähnliches Aufgebot hatte schon im Jahre 1800 stattgefunden, wo dasselbe über Aufforderung des in Tyrol commandierenden kaiserlichen Generalen durch den

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